Von 1188 bis 1216
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Der 37 jährige Lothar hatte in Paris und Bologna studiert,viel scholastisches Wissen, große Rechtskenntnisse erworben,und dann unter den Nachfolgern Alexander III. als Klerikermit Auszeichnung gedient, bis ihn Clemens III. zum Kardinal-diakon erhob. Er war ein Mann von schöner, obwohl kleinerGestalt, von großer Beredsamkeit und von einer alles bewäl-tigenden Willenskraft.
Am 22. Februar 1198 wurde Lothar in S. Peter geweiht,worauf er seinen Festzug nach dem Lateran hielt, begleitet vomStadtpräfekten, von dem Senator, vom Adel, von den Land-baronen, den Konsuln und Rektoren der Städte, die zur Huldi-gungsfeier erschienen waren.
Die Krönung und der Krönungszug des Papstes wird fol-gendermaßen beschrieben *).
Sobald der Papst durch die Bischöfe von Ostia, Albano undPortus geweiht war, ließ er sich über der Plattform der S. Peters-treppe auf einem Sessel nieder. Der Archidiaconus nahm ihmdie bischöfliche Mitra vom Haupte und setzte ihm unter demZuruf des Volks das fürstliche Regnum auf. Dies war die rundezugespitzte Tiara, jene fabelhafte Krone, welche Constantin demPapst Sylvester geschenkt haben sollte. Ursprünglich bestandsie aus weißen Pfauenfedern, dann wurde sie mit Edelsteinenverziert, umschlossen von einem Goldreifen, später von dreiDiademen, auf der Spitze mit einem Karfunkelstein geschmückt.
Der Archidiaconus sprach, indem er den Papst krönte, dieFormel •. „Nimm die Tiara und wisse, daß du der Vater derFürsten und Könige, der Regierer der Welt, auf Erden der Vicar unseres Heilandes Jesus Christus bist, dessen Ehre und Ruhmwähret in alle Ewigkeit.“
Alle Teilnehmer des Zuges bestiegen ihre Pferde.
Es war eine Prozession zu Roß.
Sie zog in folgender Reihenfolge: zuerst ein leeres, reichgeziertes Pferd des Papstes; dann der Kreuzträger (crucifer) zu
*) Die hier gegebene Schilderung der Förmlichkeiten entspricht dentypischen, bis 1513 geltenden Vorschriften.