Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Von 1188 bis 1216

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völlig zerstört worden. Wenn es ihm trotzdem unerwartetschnell gelang, die weltliche Machtstellung des Papstes glänzendherzustellen, so verdankte er dies der Ausnutzung der Bestür-zung, in welche der Tod Heinrichs VI. und die plötzliche Ver-waisung des Reiches die kaiserliche Partei versetzt hatten.

Heinrich VI. hatte die Kaiserliche Herrschaft über ganzItalien erworben. Der Papst hatte durch deutsche Statthalter-schaften in Tuscien, Ancona, Spoleto territorial umklammert.Die Gemeinde Rom hatte er zu seiner Vasallin gemacht.

Das Papsttum erhob sich am Sarge seines Bedrängers austiefer Schwäche plötzlich zur Nationalmacht Italiens .

In der Stadt standen der Herrschaft des heiligen Stuhlszwei Magistrate im Wege: der Präfekt als Repräsentant derRechte des römischen Reichs, und der Senator als Vertreter derRechte des römischen Volks.

Die Stadtpräfektur war durch Heinrich VI. wieder zur kai-serlichen Vogtei, der Stadtpräfekt Petrus zu seinem Lehnsmanngemacht worden. Jetzt sah sich dieser ohne Schutz. Er unter-warf sich um den Preis seiner Anerkennung dem Papste. Am22. Februar 1198 leistete Petrus dem Papste Innocenz III. denVasalleneid, und nahm aus dessen Hand als Belehnungszeichenden pupurnen Präfektenmantel.

An demselben Tage erlangte Innocenz III. auch die Ober-herrlichkeit über die römische Stadtgemeinde.

Als Innocenz III. den Thron bestieg, war Senator ScottusPaparone, ein Römer aus altem, dem Papste durch dessen Mut-ter verwandten Hause. Der Papst bewog denselben abzutreten.

Das mit Geldspenden gewonnene Volk verzichtete auf dasRecht der freien Senatswahl, welches Innocenz für ein päpst-liches Privilegium erklärte. Er ernannte einenWahlherrn,Medianus. Dieser ernannte den neuen Senator, worauf diebisher vom Kapitol eingesetzten Richter ersetzt wurden.

So kam im Jahre 1198 der Senat in die Gewalt des Papstes.

Neomario, Geschichte der Stadt Rom II.

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