Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Von 1241 bis 1260

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XI.

Um die Aufgaben zu verstehen, welche in Rom des Bran-caleone harrten, muß man sich ein Bild des Adelswesens machen,welches damals in Rom herrschte und gegenüber welchem dasunzufriedene, unruhige, adelsfeindliche Volk ohnmächtig undfür die politischen Vorgänge fast bedeutungslos war.

Gregorovius schildert die Lage folgendermaßen:Die Plageder Stadt war nicht der unruhige Sinn der Demokratie, sonderndas gesetzlose Wesen der Feudalherren. Ihre Macht war viel zugroß, als daß sie vom Volke hätte besiegt werden können. IhreCastelle und Güter erstreckten sich über das ganze römischeGebiet. Die Stadt hatten sie unter sich geteilt. Sie saßen dortquartierweise in verschanzten Monumenten, welche sie, wenndie Not es gebot, verließen, um auf ihren Landburgen in derCampagna unter bewaffneten Vasallen Sicherheit zu suchen.Die Quelle ihrer Macht war das Papsttum selbst. Aus den rö-mischen Geschlechtern gingen Päpste hervor, welche große Ne-potenfamilien begünstigten oder erhoben, deren Mitglieder zahl-reich im Cardinalskollegium und in der Prälatur saßen. DieReichtümer der Kirche flössen in den Schoß der adligen Ge-schlechter zurück. Die höchsten Ämter blieben im Besitz einerReihe bevorzugter Familien. Die Colonna, Orsini, Savelli,Conti, Anibaldi, Frangipani, Capocci waren die hervorragend-sten Adelsstämme, welche Rom im 13. Jahrhundert abwechselndbeherrschten, spalteten, zerrissen. Außerdem ging durch alleVerhältnisse in Rom der Riß hindurch, welcher zwischen denParteien der Guelfen und der Ghibellinen klaffte.

Brancaleone nannte sichSenator der erlauchten Stadt undKapitän des römischen Volkes, und er war der Erste, der diestat.

Drei Jahre lang regierte Brancaleone die Stadt mit großerKraft. Der übermütige Adel, zumal die Anibaldi und Colonna,

der Kaiser Augustus auf dem Capitolinischen Berge einen Altar, mit der In-schrift: Ara Primogeniti Dei; nach der andern zeigte die TiburtinischeSibylle dem Augustus die heilige Jungfrau mit dem Christuskinde auf einemThrone sitzend, wobei vom Himmel herab eine Stimme rief: Haec Ara filiiDei est. -t-