Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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Von 1241 bis 1260

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Wir müssen uns hier mit der abgekürzten Wiedergabe einerder zahlreichen zeitgenössischen Schilderungen jener Zeit be-gnügen.

Jener moralische Sturm erhob sich zuerst in Perugia undteilte sich dann der Stadt Rom mit.

Er ergriff jedes Alter und jeden Stand. Selbst fünfjährigeKinder geißelten sich. Mönche und Priester erfaßten das Kreuz,und predigten Buße. Uralte Eremiten kamen aus ihrer Wildnishervor, erschienen in den Straßen, und predigten Buße. DieMenschen warfen ihre Kleider bis zum Gürtel ab, hüllten dasHaupt in eine Kapuze und griffen nach der Geißel. Sie schlossensich in Zügen aneinander. Sie gingen in paarweisen Reihen, inder Nacht mit Kerzen, barfuß durch den Winterfrost. Sieumkreisten mit schauerlichen Liedern die Kirchen. Sie warfensich weinend an den Altären nieder. Sie geißelten sich zumGesänge von Hymnen auf die Passion Christi. Sie stürzten baldzur Erde nieder, bald erhoben sie ihre nackten Arme genHimmel. Wer sie sah, so berichtet ein Augenzeuge, hätte einStein sein müssen, wenn er nicht tat wie sie. Die Zwietrachthörte auf. Wucherer und Räuber kamen reumütig zur Obrig-keit. Die Kerker öffneten sich. Mörder gingen zu ihren Fein-den und legten das bloße Schwert in deren Hand, mit der wei-nenden Bitte, sie zu töten. Wenn diese schauerlichen Wander-scharen in eine andere Stadt zogen, so fielen sie auf diese wieein Gewittersturm. Und so pflanzte sich die Geißelbrüder-Krankheit ansteckend fort von Stadt zu Stadt.

XVII.

Das Vordringen der Flagellanten nach Rom scheint ineinem gewissen Zusammenhang zu stehen mit der Steigerungder guelfisch-ghibellinischen Kämpfe zwischen Florenz undSiena , welche in der Schlacht von Montaperto (oder Montaperti)am 4. September 1260 ihren furchtbaren Höhepunkt erreichte,deren knappe Schilderung hier wiedergegeben sei.

Im Jahre 1260 brach ein 30000 Mann starkes Heer derguelfischen Florentiner gegen die Stadt Siena auf, die zur Hoch-burg der Ghibellinen geworden war.

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