Von 1305 bis Ende 1347
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an, Roms Freiheit aufrechtzuerhalten. Graf Orso bekränzte ihnsodann mit dem Lorbeer. Der gekrönte Dichter rezitierte einSonett zum Preise der alten Helden Roms und zog dann unterdem Ruf des Volkes: „Es lebe das Kapitol und der Dichter“ indie Peterskirche, wo er seinen Lorbeerkranz auf den Altar desApostelfürsten niederlegte. Danach gab Stefan Colonna ihmzu Ehren ein glänzendes Festmahl in seinem Palast bei denSanti Apostoli. Vom Senat wurde dort dem Dichter ein Diplomüberreicht, welches von seiner Krönung als Historiker undDichter Zeugnis gab und ihm das römische Bürgerrecht er-teilte.“
Bald darauf entzog sich Petrarca den Huldigungen derRömer, neben welchen, wie berichtet wird, satirische Äußerun-gen nicht fehlten, durch Abreise nach Pisa. Aber kaum hatte erdie Stadtmauern hinter sich, als er in die Hände bewaffneterRäuber fiel, welche ihn zwangen, flüchtig nach Rom zurückzu-kehren. Man gab ihm am folgenden Tage eine stärkere Be-deckung mit, so daß er nunmehr den Weg nach Pisa gesicherteinschlagen konnte.
Dem mit der Krönung Petrarcas aus dem tiefen Dunkel desZeitalters hervorbrechenden Lichtschein des Humanismus hatGregorovius folgende Sätze gewidmet.
„Die Krönung Petrarcas eröffnete ein neues Jahrhundertder Kultur. Mitten unter den Freveln der Parteikämpfe, inder düstern Verlassenheit Roms glänzte der Ehrentag einesDichters in dem milden Licht reiner Menschlichkeit. Er riefvom klassischen Kapitol herab der in Haß und Aberglaubenversunkenen Welt ins Bewußtsein zurück, daß die erlösendeArbeit des Geistes ihr ewiges Bedürfnis, ihr höchster Beruf undihr schönster Triumph sei.“
VI.
Die Krönung Petrarcas fand während der Regierung Bene-dicts XII. statt, an welchen Petrarca einige Jahre zuvor vonRom aus in poetischer Form eine feierliche Aufforderung zurRückkehr nach Rom gerichtet hatte.