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Das 14. und 15. Jahrhundert
Sie bildeten seinen lateinischen Stil, machten ihn beredt, nährtenseinen Geist mit pomphaften Bildern und erfüllten ihn mit Sehn-sucht nach dem Ideal des Altertums. Das Volk seiner Regionstaunte den jungen Menschen an, der von schöner Gestalt war,und um dessen Mund ein gewinnendes geheimnisvolles Lächelnzu spielen pflegte, wenn er den Leuten antike Statuen undReliefs erklärte, oder Inschriften von den Marmortafeln las, wieer es gerne tat. Er hat auch eine „Descriptio Romae“ geschrie-ben (etwa 1345).
Der ihm 1343 erteilte ehrenvolle Auftrag, vor dem Papst zureden, läßt erkennen, daß Cola, welcher durch sein antiquari-sches Wissen und seine Rednergabe in diesen Jahren der ganzenStadt bekannt geworden war, in der eben vollendeten Revolu-tion dem Volk schon Dienste geleistet hatte. Der junge Römerwar längst der glühende Feind der Aristokraten, von denen einerseiner Brüder war erschlagen worden. Er hatte längst daraufgesonnen, die Stadt von ihrer Gewaltherrschaft zu befreien. Erhoffte jetzt, durch seine Vorstellungen beim Papste in diesemSinne zu wirken, und zugleich selbst Ruhm zu gewinnen. DieErlangung der Gesandtschaft nach Avignon war das erste poli-tische Ereignis in seinem Leben.
Cola entledigte sich zu Avignon im öffentlichen Consisto-rium vor Papst und Kardinälen seines Auftrages mit Gewandt-heit. Der Freimut, mit welchem er die Leiden Roms als Folgedes Übermuts des Adels schilderte, und sein oratorisches Talenterwarben ihm den Beifall des Papstes, welcher selbst als vorzüg-licher Redner galt. Clemens VI. nahm die ihm vom Volk noch-mals dargebotene Gewalt nunmehr ohne Bedenken über derenUrsprung an. Er versprach, wenn die Kriege zwischen Frank-reich und England beigelegt seien, die Stadt zu besuchen.
Aber die Barone sahen in dem verwunderlichen Notar nureinen ungefährlichen Schwärmer. Johann Colonna vergnügtesich damit, ihn zur Tafel zu laden, wo er Reden halten mußte.Die vornehmen Herren brachen in Gelächter aus, als er einstsagte: „Wenn ich Herrscher geworden bin, will ich diesen Ba-ron hängen, und jenen köpfen lassen“, und er wies mit Fingernauf die Gäste.