Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Von 1305 bis Ende 1347

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Unter seinen Zuhörern, auch unter den Baronen, befandsich niemand, der ihm nicht Beifall rief. Keiner, der nichtan die Majestätsrechte des Volkes der Römer glaubte.

Eines Tages lud Cola den Adel und das Volk in die Basilikazu einer öffentlichen Aussprache.

Voll Neugierde kamen selbst große Barone, wie der jün-gere Stefan Colonna und sein Sohn Johann und viele rechts-kundige Männer. Cola bestieg eine schön behängte Tribüne.Er trug ein weißes togaartiges Gewand, und einen weißen Hutmit wunderlichen Symbolen von goldenen Kronen und Schwer-tern. Die erhabene Roma, so sagte der seltsame Redner, liegtim Staube: sie kann nicht einmal ihren Fall sehen, denn ihrebeiden Augen, der Kaiser und der Papst, sind ihr entrissen."

VIII.

Im Mai des Jahres 1347 eröffnete Rienzo unter moralischerUnterstützung des päpstlichen Vikars Raimund, Bischof vonOrvieto , nach sorgfältiger Vorbereitung, in feierlicher Form dieRevolution *).

Am 19. Mai gingen Herolde durch die Stadt und luden dasVolk ein, unbewaffnet zum Parlament aufs Kapitol zu kommen,sobald die Glocke dazu das Zeichen geben würde. Nur beson-ders Eingeweihte wußten, was dies bedeute. Um Mitternachthörte Cola die Pfingstmesse in S. Angelo in Pescaria, wo sichdie Verschworenen sammelten. Er stellte sich und sein Werkin den Schutz des heiligen Geistes, von dessen mystischer Krafter sich erfüllt und erhoben fühlte.

Am Morgen des Pfingsttages trat er aus jener Kirche hervor,ganz geharnischt, nur das Haupt entblößt, von den Mitver-schworenen umgeben. Vor ihm trug man drei großeFahnen, das rot und goldene Banner der Freiheit, mit dem Bildeder Roma, das weiße Banner der Gerechtigkeit mit dem Schwert-

*) Wir sind über den Verlauf dieser Revolution durch zeitgenössischeUrkunden genauestens unterrichtet, welche mitgeteilt sind in dem Werk vonFelix Papencordt Cola di Rienzo und seine Zeit, besonders nach ungedruck-ten Quellen dargestellt, Hamburg u. Gotha 1841.