Von 1305 bis Ende 1347
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Ein überwältigender Zauber ergriff jetzt Rom . Die Sena-toren entflohen. Viele andere Große verließen die Stadt. KeinTropfen Blutes ward vergossen.
Cola nahm den Titel „Tribun“ an, weil er ein Mann desVolkes sei, und den Ruhm des alten Tribunats herstellen wolle.Eine weiße Taube schwebte bei dieser Erklärung über dem ver-sammelten Volk, und Cola rühmte, daß dieses Zeichen seineErnennung zum Tribun als himmlische Eingebung erkennenlasse.
Die Aristokraten waren durch die Ereignisse überraschtworden. Der greise Held Stefan Colonna eilte von Cornteo indie Stadt. Doch er vermochte nichts, als seinem Zorn durch"Worte Ausdruck zu geben. Der Tribun schickte ihm den Be-fehl, Rom zu verlassen. Stefan Colonna zerriß das Schriftstückund rief: „"Wenn dieser Narr mich noch mehr auf bringt, so willich ihn aus den Fenstern des Kapitols werfen lassen.“
1 Die Glocke läutete darauf Sturm. Das Volk zog in Waffenheran. Stefan floh, nur von einem Diener begleitet, nach Pale-strina.
Der Tribun verwies jetzt alle Großen auf ihre Güter, be-setzte alle Burgen und Brücken der Stadt, und verbreiteteSchrecken durch die strengste Justiz. Als er sich im vollenBesitze der Gewalt wußte, entbot er den Adel zur Huldigungaufs Kapitol. Furchtsam kamen die Magnaten. Selbst derjüngere Stefan Colonna mit seinen Söhnen, selbst Rainald undJordan Orsini, die Savelli, Annibaldi und Conti erschienen. Siebeschworen die Gesetze der Republik und stellten sich in derenDienst. Auch die Richterkollegien, die Notare, die Zünfte hul-digten dem Tribun; und so war sein Regiment von allen Stän-den anerkannt.
Die Verfassung wurde, mit Ausnahme der Abschaffung derSenatoren, nicht geändert. Der große und kleine Rat, die Drei-zehnmänner, die Richterkollegien blieben bestehen. Cola for-derte sogar aus Klugheit für sich selbst eine nur dreimonatlicheAmtsdauer. Aber die Römer hörten ihn kaum von seinemRücktritt reden, als sie schworen, eher untergehen, als seine Re-