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Das 14. und 15. Jahrhundert
Statt Petrarcas kam dessen versprochene Fest-Ode. „Damitweihte er sein schönstes Gedicht der Freiheit Roms und ihremneuen Helden“.
Dieser Augenblick war der glückliche Höhepunkt desLebens des Tribunen und seiner Republik.
Fortan ging es rasch bergab.
Cola verfiel der Übersteigerung persönlicher Eitelkeit undunsinniger Prachtsucht. Er überließ sich dem schlimmstenTyrannen trieb, bis zur Grenze des Cäsarenwahnsinns.
Der erste Schritt zu dem Absturz, welchem der Tribunerlag, war sein berühmter und berüchtigter „Ritterschlag“ nebstseinem „Ritterbad“, am i. August 1347.
Der Jahrestag, welchen er wählte, der erste August, war deralte Festtag der „Feriae Augusti“, volkstümlich „Feragusto“genannt, und zum religiösen Festtag „Petri Kettenfeier“ um-gestaltet.
Die Schilderung der Äußerlichkeiten jenes Festtages kannder Historiograf dem Leser nicht ersparen. Denn die für ColasPerson und für seine Geschichtsepisode charakteristische Ver-bindung des echtesten patriotischen Pathos und hoher Tat-kraft mit eitler Verblendung und Komödiantenhaftigkeit kannohne Mitteilung der (sorgfältig überlieferten) Einzelheiten nichtverdeutlicht werden.
Am Vorabende des Festes, gegen 3 Uhr nachmittags, sam-melte sich das ganze Volk, die einheimischen und fremdenRitter, die Gesandten unter festlicher Musik bei dem Lateran.
Die durch Jugend und Schönheit ausgezeichnete Frau desTribunen erschien in Begleitung von 900 Rittern und 500 edlenDamen. Dann kam der Tribun selbst im festlichen Zuge, ihmzur Seite der Vikar des Papstes, er selbst in einem Kleide vonweißer Seide mit Gold gestickt. Nachdem er seinen Einzug inden Palast gehalten, redete er zum Volk von der Loggia Boni-facius’ VIII. aus: „Diese Nacht werde ich mich zum Rittermachen, kehrt morgen wieder und ihr werdet Sachen hören,.