Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Das 14. und 15. Jahrhundert

IV.

Clemens VI. starb am 6 . Dezember 1352 zu Avignon, nach einem im fürstlichen Glanz hingebrachten Pontifikat von10 Jahren, mit dem Ruf eines freigebigen, verschwenderischen,die Kunst und Wissenschaft liebenden Herrn, doch nicht einesHeiligen. (Gregorovius) .

Am 30. Dezember 1352 bestieg der Kardinalbischof vonOstia, der aus dem Limousin in Frankreich gebürtige StefandAlbret (Aubret) als Innocenz VI. den heiligen Stuhl (1352bis 1362).

Derselbe war das Gegenteil seines Vorgängers, ein gerechterund strenger Mann, von mönchischer Richtung. Er reinigtesofort die lasterhafte Kurie von allem ausschweifenden Luxus,widerrief viele Verleihungen seines Vorgängers, schickte diezuchtlosen Prälate in ihre Sitze, und reformierte die gesamteVerwaltung der Kirche.

Zur Beruhigung Italiens und zur Wiederherstellung derpäpstlichen Rechte im Kirchenstaat ersah Innocenz einen außer-ordentlichen Mann, den spanischen Kardinal Albornoz. Erernannte diesen am 30. Juni 1333 zu seinemGeneralvikar inItalien und im Kirchenstaat , mit weitester Vollmacht, und mitunbegrenzter Aktionsfreiheit für Italien und Rom.

Egidius (oder Gil) dAlbornoz, ein kastilianischer Grande,war ein tapferer Krieger unter den Fahnen Alfonsos von Ca-stilien gewesen und hatte mit Ruhm gegen die Sarazenen inSpanien gekämpft. Dann wurde er Erzbischof von Toledo undgewann das Ansehen,der würdigste Prälat in ganz Spanien zu sein, in seiner Person ritterliche Tatkraft und glühendenGlaubenseifer vereinigend.

Als nach Alfonsos Tode dessen Sohn, Peter der Grausame,,den Thron bestieg, flüchtete Egidius nach Avignon, wo ihnClemens VI. mit hohen Ehren auf nahm. Am 18. Dezember1350 machte der Papst ihn zum Kardinal von S. Clemente, balddarauf zum Bischof der Sabina.

Sein Einfluß am päpstlichen Hof wurde groß und unterInnocenz VI. wurde er dessen vertrautester Ratgeber.