Von 1347 bis 1378
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Aber Baroncelli wurde am Ende des Jahres 1353 in einemAufstand erschlagen.
Der Kardinal Albornoz ließ nunmehr nicht nur zu, sondernveranlaßte, daß Cola eine Truppenmacht warb und mit dieserauf Rom zog.
Am 1. August 1354, dem Jahrestag seiner Ritterschaft, zogCola durch das Tor des Kastells S. Angelo über die Engelsbrückein die mit Teppichen und mit Blumen geschmückte Stadt, durchdichtgedrängtes Menschengewühl in den Straßen, deren Häuserbis zu den Dächern hinauf jauchzendes Volk erfüllte.
An den Stufen des Kapitols empfingen den früheren Tri-bun ehrerbietig die Magistrate.
Der bisherige Senator Guido übergab ihm den Regenten-stab.
Cola hielt eine Anrede an das Volk, in welcher er sich dem7 Jahre lang verstoßenen und irrsinnigen Nebucadnezar ver-glich. Die Römer jubelten ihm zu.
Aber bald war man enttäuscht. Man fand statt des Er-wählten des Volks, des jugendlichen Tribuns der Freiheit „einenalternden starkbeleibten Beamten des französischen Papstes“.Colas Briefe und sein Geist hatten keine Schwingen mehr. Sieverrieten nichts mehr von jenem hohen Gedankenfluge, mitdem er einst die Italiener bezaubert hatte.
Die Truppen wurden notdürftig bezahlt. Man diente mitWiderwillen im Heer. Es gab täglich Streit. An Verräternfehlte es nicht.
Am 8. Oktober erhob sich das gesamte Volk gegen Colaund stürmte das Capitol. Der Tribun warf sofort seine Rüstungund seine Amtstracht ab. Mit abgeschnittenem Bart, das Ge-sicht geschwärzt, in einen schlechten Hirtenmantel gehüllt,ein Bettkissen auf sein Haupt gelegt, so hoffte er durch dieMenge sich fortzuschleichen. Als er das letzte Tor erreichthatte, faßte ihn einer aus dem Volk mit dem Ruf: „Das ist derTribun!“ Goldene Armspangen verrieten ihn. Man führte ihn
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