Von 1420 bis 1447
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hielten einen purpurnen Baldachin über ihm, und Possenreißertanzten vor ihm her. Am Abend durchzogen die Conservato-ren und Regionenkapitäne zu Roß mit vielem Volk die Stadt,Fackeln in den Händen, mit dem Ruf: „Es lebe Papst Martin!“
Martin V. fand Rom im Frieden, aber durch Pest, Kriegund Hungersnot in so tiefes Elend herabgesunken, daß es kaumdas Antlitz einer Stadt trug. Die Altertümer, die Häuser unddie Kirchen waren verfallen, die Straßen von Sumpf und Schuttausgefüllt und kaum noch wegbar. Die Menschen stellten sichdem bestürzten Papst dar, wie ein Haufe verkommenen Ge-sindels. Auch wimmelte die Stadt von Dieben und Räubern.
Kapitel IV.
Von 1420 bis 1447.
Stadtbild. Bevölkerungsverhältnisse.Bauwesen.
i.
[ ir haben ausführliche und anschauliche Schilderungenvon Augenzeugen über die Zustände der Stadt inden Jahren 1367, 1378, 1402, 1404 und 1420, wel-che zeigen, daß in diesen 53 Jahren *) in fort-während gesteigertem Tempo das Bild des Elends des Stadtfeldesund die Verwahrlosigkeit der Bevölkerung das äußerste erfuhr,was überhaupt an Verfall im mitteleuropäischen Kulturgebietje geschehen ist.
Ein englischer Chronist dieser Zeit, Ada de Usk, Auditorder Rota in Rom unter Bonifacius IX. (f 1404) und Innocenz VII.
*) 1367 kam Papst Urban V. (für 3 Jahre) — 1377 Papst Gregor XI. für seinen Lebensrest (3 Monate) nach Rom zurück. Im Jahr 1420 zog PapstMartin V. in Rom ein. — Über die Zeit um 1402 haben wir eine ausführlicheSchilderung über den Bauzustand Roms aus der Feder des Poggio Bracciolini (1380—1449), dessen Schrift „Historiae de varietate fortunae“ mit dieserSchilderung beginnt.