Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Das 14. und 15. Jahrhunde'rt

(f 1406), war von ihrem Zustand so erschüttert, daß er schrieb:O Gott, wie ist Rom zu bejammern. Einst war es von großenHerren und Palästen erfüllt, jetzt ist es voll von Hütten, vonDieben und Wölfen und Gewürm, von Wüsteneien, währenddie Römer selbst sich gegenseitig zerfleischen.

Als Urban V. und Gregor XI. zurückkehrten, erschreckteauch sie das furchtbare Aussehen Roms . Aber die Stadt be-hauptete sich damals noch als eine Republik unter dem Regi-ment ihrer Zünfte. In der folgenden Zeit aber war nicht alleinder Adel, sondern auch das Bürgertum aufgelöst, undRom warnichts als ein wüster Scherbenberg.

Die Bevölkerung, beträchtlich vermindert und verwildert,wohnte in kleinen Häusern auf dem Marsfeld zwischen Kapitolund Tiber, und außerdem in Trastevere . Das übrige Gebietinnerhalb der Aurelianischen Stadtmauer war fast ganz verödet.

Der weite Gürtel der Aurelianischen Mauer , welche immernoch als Befestigungsmauer bestand und gepflegt wurde, mußzu jedem Rombesucher eine erschütternde Sprache gesprochenhaben.

Dreiundvierzig Kirchen standen verlassen, elf waren voll-ständig zerstört, viele andere ohne Dach und dem Einsturz nahe.Selbst die Hauptbasiliken drohten zu zerfallen. In St. Peterund im Lateran weideten zeitweise die Herden bis zum Altäreim Gras.

Die antiken Baudenkmäler wurden wieder Gegenstand nied-riger Gewinnsucht.

Ein päpstlicher Legat bot die Marmorsteine des Colosseumszum Kalkbrennen aus.

Auch nach auswärts wurde das Material der antiken Bau-werke verschleppt.

Das Archiv der Bauhütte des Domes von Orvieto bewahrteine Anzahl von Aktenstücken, aus denen hervorgeht, daß dieVorsteher des Dombaues einen großen Teil des Marmors ausRom bezogen, daß sie Bevollmächtigte und Agenten fast häufigerdorthin als nach Carrara schickten.