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Das 14. und 15. Jahrhundert
Als später durch den Frieden, den Martin durch klugeMäßigung im Kirchenstaat zu erhalten wußte, sich die Finan-zen besserten, wurden die Mauern des Kapitols neu gestützt,wiederhergestellt und verschiedene Tore und Tiberbrücken in-standgesetzt. Am Westabhang des Quirinais neben der KircheSS. Apostoli baute sich Martin V. einen bescheidenen Palast,wo er seit dem vierten Jahre seines Einzuges in Rom mit Vor-liebe residierte.
Das Leben Martins V. war einfach und gleichmäßig; seineeinzige Erholung bestand darin, daß er im Sommer, wenn dieHitze oder pestartige Seuchen den Aufenthalt in Rom uner-träglich machten, sich in die Einsamkeit seiner Familiengüterzurückzog. Zuweilen wurden auch andere Orte der UmgegendRoms aufgesucht, namentlich Tivoli, wo der Papst wiederholtlängeren Aufenthalt nahm. In seinen letzten Lebensjahrenweilte Martin V. mit Vorliebe in seinem Geburtsort, dem herr-lich auf einem vulkanischen Tuffelsen gelegenen Genazzano. Erwohnte dort in dem neuerbauten, nur über eine Zugbrücke zu-gänglichen Schloß, das eine weithin reichende Aussicht auf dieprächtigen Berge und das schöne Land gewährte.
Der Ort der päpstlichen Residenz in Rom wechselte wie-derholt. In den ersten Jahren wohnte Martin während derWintermonate im Vatikan , im Sommer und Herbst auch beiS. Maria Maggiore. Im Mai 1424 wurde der neuhergestelltePalast bei SS. Apostoli bezogen; er diente fortan vorzugsweisezur päpstlichen Residenz. Im Herbst 1427 residierte Martin V. kurze Zeit im Lateran, was darauf deutet, daß dort wenigstenseinige Räume restauriert waren.
V.
Es kann an dieser Stelle unserer Darstellung des römischenStadtbildes nicht unbemerkt bleiben, daß die großartige für dieMacht der Kirche und auch für die Wohlfahrt der Stadt äußersterfolgreiche Regierungstätigkeit Martins V. in dem äußeren Bildder Stadt keine merkliche Veränderung hervorgebracht, auchkeine sichtbare Hebung des Kulturzustandes der Bevölkerungbewirkt hat.