Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
Seite
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Von 1420 bis 1447 1109

Ein am 22. März 1443, also 12 Jahre nach dem Tode Mar-tins, von dem Kardinal Alberto degli Alberti, aus Rom nachFlorenz an Giovanni de Medici gerichtetes Schreiben gibt fol-gendes Bild.Vom Zustande der Stadt wirst du durch Anderevernommen haben. Doch will ich denselben in Kürze schildern.Eine große Menge Bauten, Triumphbogen, Paläste, Tempel,Grabmäler und andere Prachtgebäude sind vorhanden, aber allein Trümmern. Tagtäglich brennt man Kalk aus dem Marmorder alten 'Werke, was eine Schande (villania) ist. Die neu-eren Bauten sind erbärmlich: Roms Schönheit besteht in seinenRuinen. Das Volk von heute, das sich römisch nennt, ist inHaltung und Lebensweise himmelweit verschieden von demalten. Es mit einem Wort zu sagen, sie erscheinen mir alle wieKuhhirten. Die Frauen sind im allgemeinen schön von Gesicht,aber am Leibe sehr unreinlich, was wie ich höre daher kommt,daß alle in der Küche beschäftigt sind. Sie scheinen mir freund-lich, kommen jedoch wenig zum Vorschein. Einen Ort zumLustwandeln gibt es nicht, und man geht nur zu den Stationenund Ablaßspendungen, die überaus zahlreich sind und in dieserFastenzeit von allen Frauen wie von Unbeschäftigten gleich mirbesucht werden.

Bemerkenswert ist, daß über das Jubeljahr, welches Martin1425 stattfinden ließ, nur sehr dürftige Nachrichten überliefertsind, darunter die Klage des Poggio über dieÜberschwemmungRoms durch die zur Jubiläumsfeier herbeigeströmten Barbaren(d. h. Nicht-Italiener ), welche die ganze Stadt mit Schmutz undUnrat erfüllt hätten.

Für den allgemeinen Kulturzustand auch jener Zeit nochist eine Mitteilung kennzeichnend, welche der SenatsschreiberStefano Infessura berichtet:am 28. Juli 1424 wurde auf demKapitol die Hexe Finicella verbrannt, weil sie auf teuflischeWeise viele Leute umgebracht und viele Personen behext hatte;und ganz Rom lief es zu sehen. (Stefano Infessura , römischesTagebuch. Übersetzt von Hermann Hefele , Jena 1914.)

Am 20. Februar 1431 starb Martin V. plötzlich an einemSchlagfluß in seinem Palast bei Santi Apostoli .