Von 1447 bis 1484
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Haupt hoch auf der Tribüne vor allem Volk erhebend, ant-wortete ihm das tausendstimmige Geschrei: „Misericordia!“ Diepäpstliche Kapelle sang eine vom Dichter Agapito Cenci ge-dichtete sapphische Festhymne.
Das Te Deum wurde gesungen. Darauf setzte sich diefeierliche Prozession nach Rom in Bewegung.
Eine ungeheure Menge hatte die Via Flaminia besetzt.
Da zu der Feierlichkeit ein Jubiläumsablaß ausgeschriebenwar, waren nicht nur aus ganz Italien, sondern auch aus Deutsch-land, Frankreich und Ungarn zahlreiche Pilger zusammen-geströmt.
In S. Maria del Popolo setzte man das Apostelhaupt aufdem Hochaltar nieder.
Der Papst übernachtete in S. Maria del Popolo.
Von S. Maria del Popolo aus wurde am 13. April die Reli-quie nach St. Peter überführt.
Die Straßen waren mit Blumen und wohlriechenden Kräu-tern bestreut und mit prächtigen Teppichen zum Schutz gegendie Sonnenstrahlen bedeckt. Die Großen der Stadt und dieKardinäle hatten in dem Schmuck ihrer Paläste gewetteifert, dieKirchen ihre Reliquien und Kostbarkeiten ausgestellt. Allent-halben erstrahlten Lichter und ertönte geistliche Musik. Un-zählige Andächtige füllten die Straßen. Man glaubte, daß wäh-rend des Jubiläums vom Jahre 1450 nicht so viele Menschen inRom gewesen seien wie an jenem Festtage.
Für die Prozession, die sich in gedehnter Linie durch alleHauptstraßen der Stadt bewegte, hatte der Papst befohlen, daßalle, auch die Kardinäle, zu Fuß gehen sollten.
Es wird geschildert, wie ergreifend es war, die von Alterund Krankheit gebeugten Kirchenfürsten in vollem Ornat, Pal-men in den Händen tragend und betend, einherziehen zu sehen.
Der gesamte Klerus, alle Behörden, die Gesandten undGroßen Roms nahmen an dem Zuge teil. Alle trugen brennendeKerzen.