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Das 14. und 15. Jahrhundert
Der gichtleidende Papst unter einem Baldachin auf golde-nem Thronsessel sitzend, hielt das heilige Haupt bis zum Ein-treffen in der von Lichtern flammenden St. Petersbasilika. Hierlegte er es vor der Confessio nieder.
Dann rief Bessarion , welchem der greise Kardinal Isidor zurSeite stand, in einer längeren Rede die Hilfe des hl. Andreas undder Apostelfürsten zum Kreuzzug an. Endlich erhob sich derPapst nochmals.
„Wir versprechen dir“, so sprach er, „heiliger Andreas, wür-digster Apostel Christi, alles, was wir vermögen, zur Wieder-erlangung deiner Schäflein und deines Hauses hier auf Erdenaufzuwenden. Nichts liegt uns so nahe am Herzen als die Ver-teidigung der christlichen Religion und des wahren Glaubens,welchen deine und unsere Feinde, die Türken, zu vernichtendrohen. Wenn die christlichen Fürsten auf unsere Stimmehören und ihrem Hirten folgen wollen, dann wird sich die ganzeKirche darüber freuen, daß wir, was unseres Amtes ist, nichtvernachlässigt haben, und du nicht umsonst die Hilfe des Bru-ders aufgesucht hast.“
Mit der Erteilung des päpstlichen Segens und der Verkün-digung eines vollkommenen Ablasses schloß die Feier.
Gregorovius hat den ganzen merkwürdigen Vorgang „eineder seltsamsten Szenen aus der Geschichte der römischen Re-naissance“ mit wenigen Sätzen beleuchtet, welche denselbenaus dem Geist der Zeit, der Persönlichkeit Pius’ II. und derpolitischen Weltlage heraus erklären:
„Der Rede des Papstes diente zum geschichtlichen Hinter-gründe das ruhmvolle Byzanz, die unglückliche in die Knecht-schaft gefallene Tochter Roms. Tausend Erinnerungen, derganze Weltbezug der ewigen Roma, konnte in den Zuschauernwach werden.“
„Päpste waren oft genial in der Erfindung von Kirchen-festen, womit sie auf die Phantasie des Volkes wirkten, und hierwar es Pius II. nicht minder, als einst Cola di Rienzo .“