Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Von 1447 bis 1484

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Um die politische Aktion des großzügigen und weltüber-blickenden Pius II. (Aeneas Sylvius ) in Hinsicht des römischenKirchenfestes des Jahres 1462 richtig einzuschätzen, muß mandie Persönlichkeit des Thomas Palaeologus, eines der beidenletzten sogenannten Despoten von Morea (der griechischenHalbinsel) ins Auge fassen. Im Frühjahr 1460 waren die Türkenin Morea eingebrochen, wo auf den Trümmern der hellenischenStädte die Brüder des letzten Kaisers Constantin, Demetrius undThomas, herrschten. Demetrius fiel zu den Türken ab, Thomasfloh zuerst nach Navarin, dann nach Corfu, mit sich führendden Totenschädel des Apostels Andreasjetzt das Symbol desReiches Constantins und Justinians und der Kirche des Orginesund Photius , um dessen Kauf sich bei Thomas Fürsten und Kir-chen bewarben.

Thomas aber wendete sich allein an den Papst.

Thomas landete im Winter 1460 in Ancona . Dort übergaber die Reliquie dem Kardinal Oliva, welcher auf Befehl desPapstes das Apostelhaupt zur sicheren Verwahrung in der Burgvon Navarin niederlegte.

Thomas eilte nach Rom und warf sich dem Papst alsSchutzflehender zu Füßen. Pius II. gab ihm als Trost für denVerlust seines Reiches die goldene Rose, sodann eine Wohnungim Spital Santo Spirito und ein Jahrgehalt. Außerdem erließ ereine Bulle, worin er allen denen, welche mit ihm zur Wiederer-oberung Moreas ausziehen würden, Sündenablaß versprach.

Thomas starb am 12. Mai 1465 in dem Hospital San Spiritoin Rom .

Es ist an dieser Stelle unserer Darstellung der Platz, daraufhinzuweisen, daß die Eroberungen, welche das Osmanische Tür-kenreich im ij. Jahrhundert im östlichen Europa machte, be-sonders der Sturz Konstantinopels und das türkische Vordringenauf dem alten griechischen Kulturboden, zu einer beträchtlichengriechischen Abwanderung nach Italien führten, deren Bedeu-

Neomario, Geschichte der Stadt Rom II.

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