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Das 14. und 15. Jahrhundert
Kapitel VI.
Renaissance.
i.
ndem der Historiograph der Stadt Rom sich an-schickt, über Rom und die Renaissance zu berich-ten, muß er vorab sich außerstande erklären, denGegenstand seiner Erörterung durch eine Defini-tion *) zu verdeutlichen.
Anstatt dessen sei hier die Fragestellung bezeichnet, aufwelche unsere Berichterstattung Auskunft zu erteilen sich be-rufen findet.
Der Durchschnittsauffassung, welche heute gilt, entprichtfolgende, mit den letzten Ergebnissen der gegenwärtigen Wissen-schaft im Einklang stehende Formulierung:
„Renaissance, Wiedergeburt, Wiedererweckung der altengriechisch-römischen Bildung und Kunst“ bezeichnet den Be-ginn der modernen, gegenüber der antiken und mittelalterlichenWelt. Im engeren Sinne aber pflegt man den Ausdruck Renais-sance auf die im antikisierenden Streben seit Mitte des 15. bisAnfang des 17. Jahrhunderts neubelebte Kunstepoche zu be-schränken, während man die vom gleichen Geist getragene neueWissenschaft Humanismus nennt.
„Das Bedeutsame der Renaissancekunst ist, daß sie zwar ausder Antike Einfachheit der Zeichnung, Klarheit der Verhältnisse,
*) Sprachlich ist zu bemerken: Der französische wie der italienische Name (renaissance, rinascimento), ebenso wie die deutsche Bezeichnung„Wiedergeburt“, (fast immer in der Wendung „ Wiedergeburt des klassi-schen Altertums“), ist niemals allgemein in dem Sinn im Gebrauch gewesen,daß wirkliche Auferstehung gemeint war. Der deutsche Sprachgebrauch hatim übrigen mannigfach gewechselt' und ist auch heute keineswegs einheit-lich. Die Stilbezeichnung Renaissance hat in der Geschichte der Baukunst,das Wort rinascimento hat in der italienischen Literaturgeschichte, als Be-zeichnung für die italienische Literatur des ij. Jahrhunderts („Quattrocento“),speziellen technischen Sinn gewonnen. Diese Sonderbedeutungen sind histo-risch befestigt.