Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
Seite
1148
Einzelbild herunterladen
 

1148

Das 14. und 15. Jahrhundert

Kapitel VI.

Renaissance.

i.

ndem der Historiograph der Stadt Rom sich an-schickt, über Rom und die Renaissance zu berich-ten, muß er vorab sich außerstande erklären, denGegenstand seiner Erörterung durch eine Defini-tion *) zu verdeutlichen.

Anstatt dessen sei hier die Fragestellung bezeichnet, aufwelche unsere Berichterstattung Auskunft zu erteilen sich be-rufen findet.

Der Durchschnittsauffassung, welche heute gilt, entprichtfolgende, mit den letzten Ergebnissen der gegenwärtigen Wissen-schaft im Einklang stehende Formulierung:

Renaissance, Wiedergeburt, Wiedererweckung der altengriechisch-römischen Bildung und Kunst bezeichnet den Be-ginn der modernen, gegenüber der antiken und mittelalterlichenWelt. Im engeren Sinne aber pflegt man den Ausdruck Renais-sance auf die im antikisierenden Streben seit Mitte des 15. bisAnfang des 17. Jahrhunderts neubelebte Kunstepoche zu be-schränken, während man die vom gleichen Geist getragene neueWissenschaft Humanismus nennt.

Das Bedeutsame der Renaissancekunst ist, daß sie zwar ausder Antike Einfachheit der Zeichnung, Klarheit der Verhältnisse,

*) Sprachlich ist zu bemerken: Der französische wie der italienische Name (renaissance, rinascimento), ebenso wie die deutsche BezeichnungWiedergeburt, (fast immer in der Wendung Wiedergeburt des klassi-schen Altertums), ist niemals allgemein in dem Sinn im Gebrauch gewesen,daß wirkliche Auferstehung gemeint war. Der deutsche Sprachgebrauch hatim übrigen mannigfach gewechselt' und ist auch heute keineswegs einheit-lich. Die Stilbezeichnung Renaissance hat in der Geschichte der Baukunst,das Wort rinascimento hat in der italienischen Literaturgeschichte, als Be-zeichnung für die italienische Literatur des ij. Jahrhunderts (Quattrocento),speziellen technischen Sinn gewonnen. Diese Sonderbedeutungen sind histo-risch befestigt.