Renaissance
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vielfach auch Formensprache gewinnt, daß sie aber, fern vonaller bloß antiquarischen Nachahmung, diese antikisierendeFormensprache durchaus neu und selbständig behandelt und siemit großartiger Schöpferkraft zum schönheitsvollen Ausdruckder Stimmungen und Bedürfnisse der eigenen Gegenwart undWirklichkeit umbildet und fortbildet.“
Unsere Fragestellung betrifft örtlich den Stadtbereich Roms ,in dem erweiterten Umfang, welcher über die Stadtmauern hin-aus die Leostadt, das Trastevere , San Paolo fuori, San Sebastian,Via Appia, San Lorenzo fuori, Sant Agnese und die MilvischeBrücke umschließt.
Zeitlich ist die Fragestellung beschränkt auf die Zeit vomRegierungsantritt des Papstes Nicolaus V. an bis zu dem „saccodie Roma“ (1527).
Sachlich endlich handelt es sich um die in dem ebenbezeichneten örtlichen und zeitlichen Rahmen liegenden kultu-rellen Vorgänge, welche unmittelbare Beziehung zu dem all-gemeinen Entwicklungsprozeß haben, der das übrige Italien er-griffen hatte und für welchen sich der Ausdruck „Renaissance“ *)eingebürgert hat.
Es ist Jacob Burckhardt (1818—1897), der („Die Kultur derRenaissance in Italien“ 1. Aufl. 1860) diese Gesichtspunkte zurGeltung gebracht hat. Aus der jüngeren Literatur sind hervor-zuheben: G. Voigt : „Die Wiederbelebung des klassischen Alter-tums, oder das erste Jahrhundert des Humanismus“ (3. Aufl.2 Bde. 1893), V. Rossi, II Quattrocento (Florenz 1898), M. Mon-nier, Le Quattrocento, 2 voll. (Paris 1900).
*) Der vorhergehenden Anmerkung sei hier der Hinweis auf zwei Ge-sichtspunkte hinzugefügt, welche den sachlichen Inhalt des Begriffes Re-naissance betreffen. Erstens ist zu sagen, daß jene große Bewegung der „Re-naissance“ sich nicht nur auf Kunst und Literatur, sondern auf dieNeugestaltung der gesamten Kultur bezog, zweitens, daß diese Bewegungin Italien einen national-italienischen Charakter hatte, welcher mindestensebenbürtig mit dem der Antike geltenden Wiedererweckungsgedanken derBewegung Richtung und Kraft gab.