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Das 14. und 15. Jahrhundert
Wenn wir die Antwort auf unsere Fragestellung kurz vor-ausstellen wollen, so kann sie nur lauten: Die Renaissance hatsich in Rom ganz anders gestaltet, als in der gesamten übrigenitalienischen Welt.
II.
Mit Nicolaus V. (1447—1455) „bestieg der neue monumen-tale Geist der Renaissance den päpstlichen Stuhl“. (J. Burck-hardt).
Die zeitgenössischen Schriftsteller und die neuzeitigen Ge-schichtsschreiber, sind einig darüber, daß es unter den Päpstenbis auf Leo X . keinen stärkeren Förderer sowohl der künstleri-schen Renaissance als des wissenschaftlichen Humanismus gege-ben hat als Nicolaus V.
Der Begründer des päpstlichen Mäzenates, wie Nicolausauch genannt wird, ging mit ebenso umsichtiger Methodik wiemit großartigem Weitblick und weit ausgreifender Energie vor.Er begann mit der Ausräumung des Schuttes auf den StraßenRoms und der Herstellung der Wasserleitungen, befestigte danndie Stadtmauern, unternahm den gründlichen Umbau der gan-zen Stadt, förderte Malerei, Stickerei und sonstige Kleinkunst,betrieb, als Byzanz (1453) von den Türken bedroht wurde, dieRettung der griechischen Bibliothekschätze nach Rom undmachte Rom zum Mittelpunkt einer neuen Kulturwelt.
Unsere Darstellung kann die umfassende Wirksamkeit desgroßen Mannes nicht erschöpfen, sondern muß sich mit derZeichnung der Umrisse begnügen.
Was die Organisation der unter Nicolaus V. ausgeführtengroßen Bauarbeiten anlangt, so lassen sich drei verschiedeneArten unterscheiden: entweder arbeiteten Architekten und Ar-beiter für feste tägliche oder monatliche Zahlung und erhieltendann das Material geliefert, oder es wurde Stücklohn bezahlt,oder man übergab den ganzen Bau einem Unternehmer, derArbeiter und Material zugleich stellen und mithin über bedeu-tende Mittel verfügen mußte. Der hervorragendste unter diesen