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Das 14. und 15. Jahrhundert
Vorgängen behandelt, welche wir hier erörtern, weil sie in Be-ziehung stehen zu dem, was seit 1885 (L. v. Pastor) „Gegensatzder heidnischen und der christlichen Renaissance“ oder „Gegen-satz der heidnischen Richtung und der christlichen Richtungin der Renaissance“, heißt, und worüber seither *) eine umfang-reiche Literatur erwachsen ist.
Die Verschwörung von 1468 ging hervor aus dem in Rom bestehenden Kollegium der kirchlichen Kanzleibeamten („Kanz-lei — Abbreviatoren“), welchem Papst Paul II. nicht zugeneigtwar, da er es als eine politisch gefährliche, kulturell bedenkliche(„heidnische“), Macht befunden hatte, deren Unschädlich-machung er von Anfang seiner Regierung an sich angelegen seinließ.
Der Papst verminderte die Stellenzahl und die Einnahmender Abbreviatoren, schritt mit Verhaftungen ein, wo er es nötigfand, betrieb die strenge Bestrafung der „Häresien“ und legteihrer Tätigkeit vielfache Hindernisse in den Weg.
Die Abbreviatoren haßten daher den Papst, überschwemm-ten Italien mit Anklagen gegen ihn, und zettelten Intrigen an,welche sich im Jahre 1468 zu einer Palastverschwörung ver-dichteten. Der Papst konnte aber diese Umtriebe nicht rechtfassen, welche doch wohl auch durch starke geistige Kräfteunterstützt wurden, und um so gefährlicher für die Kirchewaren. In Gestalt einer dem Musenhof Nicolaus’ V. ähnlichen,phantastisch aufgezogenen „römischen Akademie“ wurden dieseKräfte organisatorisch mit den Abbreviatoren vereinigt. DerPapst löste diese Akademie auf.
Der Sammelpunkt dieser unzufriedenen und „heidnischgesinnten Humanisten“ wurde in Rom das Haus eines Gelehrten,der in ganz Rom durch seine Geistesgaben wie durch seineSonderbarkeiten bekannt war: des Julius Pomponius Laetus . Der-selbe war als unehelicher Sprößling des fürstlichen Hauses der
*) S. L. v. Pastor, Geschichte der Päpste, 1. Aufl. Bd. 1, 1885 (9. Aufl.1926). — Die Darstellung unseres Textes folgt den vielfach von den älterenAnschauungen abweichenden, auf breiteres Material gestützten BerichtenPastors.