Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Renaissance

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Sanseverini in jungen Jahren aus seiner Heimat Kalabrien nachRom gekommen, dann Professor an der Universität geworden.Von allen Altertümlern, deren Ideale allein im uralten Rom und in den ältesten Wörtern der lateinischen Sprache lagen, warer der überspannteste. Die Wirklichkeit der Dinge, die ihnumgaben, galt ihm als bloße Scheinwelt. Nur die antike Weltwar ihm die Wirklichkeit, in der er mit seinem ganzen Wesenaufging.

Paul II. hatte ihm die Professur der Beredsamkeit an derUniversität übertragen. Er war einer der beliebtesten Lehrerder Hochschule: sein Hörsaal vermochte oft die Menge derLernbegierigen kaum zu fassen. Zu Hause vergrub er sich indie alten Schriftsteller, die er mit Randbemerkungen versahund mit fester, aber feiner Handschrift kopierte. Häufig sahman den kleinen, beweglichen Mann allein und nachdenkendin den Ruinen des alten Roms umherwandern, wie in Ver-zückung vor irgend einem Steinhaufen Halt machend oder garin Tränen ausbrechend.

Die christliche Religion verachtete dieser Gelehrte, und inheftigen Reden erging er sich über deren Diener.

Sein Haus auf dem Quirinal war angefüllt mit antikenArchitektur- und Skulpturfragmenten, alten Inschriften undMünzen.

Hier versammelten sich seine Schüler und Freunde. Mandisputierte über die alten Autoren und über philosophischeFragen, las Reden und Gedichte vor, führte zuweilen auch Ko-mödien des Plautus und Terenz auf.

So entstand eineliterarische Sodalität, dierömischeAkademie, deren Ziel zunächst die Förderung des reinstenLatinismus, des alten nationalen Römertums war.

Pomponius wollte nicht einmal griechisch lernen, einzig umdie volle Reinheit seiner lateinischen Aussprache zu erhalten.

Seine Anhänger datierten ihre Schriften nicht nach demchristlichen Kalender, sondern vom Tage der Gründung derStadt (ab urbe condita), den sie ganz in antiker Weise feierten.

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Neomatio, Geschichte der Stadt Rom II.