Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Das 14. und 15. Jahrhundert

Die Mitglieder der Akademie betrachteten sich als Brüder-schaft. Sie legten ihre Namen ab und nahmen statt derselbenantike an.

Die phantastischeSchwärmerei der Anhänger des altenHeiden aus Kalabrien verstieg sich zu religiösen Gebräuchen,welche einer Parodie des christlichen Kultus ähnlich sahen. DieEingeweihten betrachteten ihre gelehrte Gesellschaft als förm-liches Priesterkollegium, an dessen Spitze ein Pontifex Maximus stand, zu welcher Würde man Pomponius Laetus erhob. Ge-sinnung und Lebenswandel dieserpantheistischen Jünger desAltertums aber waren gewiß mehr heidnisch als christlich.Raphael Volaterranus hat es in seinen Julius II. gewidmetenrömischen Kommentaren offen ausgesprochen, daß die Zu-sammenkünfte jener Männer, ihre antiken Festlichkeiten zuEhren des Geburtstages der Stadt Rom und des RomulusderAnfang zur Abschaffung des Glaubens gewesen seien.

In den letzten Tagen des Februar im Jahre 1468 erfuhrdie Stadt Rom plötzlich, die Polizei habe eine Verschwörunggegen den Papst entdeckt und zahlreiche Verhaftungen, meistvon Literaten und Mitgliedern der römischen Akademie, vor-genommen.

Beunruhigende Gerüchte der verschiedensten Art warenschon seit einiger Zeit in Rom verbreitet gewesen, namentlichhatte man Prophezeiungen von einem baldigen Tode desPapstes verbreitet. Paul II. hatte diesem Gerede wenig Be-deutung beigelegt; erst als ein Warnungsbrief eines weltlichenFürsten eintraf, wurde er nachdenklicher. Seine Besorgnissestiegen, und sein Entschluß einzuschreiten, reifte, als aucheinige Kardinäle mit bedenklichen Mitteilungen an ihn heran-traten. Noch in derselben Nacht erging der Befehl, dieRädelsführer des Komplotts zu verhaften. Als solche warendem Papste vier Mitglieder der römischen Akademie, Calli-machus, Glaucus, Petrejus und Platina bezeichnet worden. Diedrei ersten hatten indessen von der ihnen drohenden GefahrKunde erhalten, und es war ihnen geglückt, noch zeitig zu ent-kommen. Callimachus selbst erzählt in einem später zu seiner