Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Renaissance

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Rechtfertigung geschriebenen Briefe, wie er sich anfangs inRom versteckt gehalten, dann heimlich nach Apulien geflohensei.

Außer Platina wurden bald noch andere, die mit den Aka-demikern in Verbindung gestanden hatten, in der Engelsburgeingekerkert und alsbald peinlich befragt.Jede Nacht wirdirgend einer verhaftet, schrieb der mailändische Gesandte Jo-hannes Blanchus am 28. Februar,und täglich erkennt man dieSache besser, die nicht, wie Kardinal Ammanati meinte, einTraum, sondern Wahrheit war. Der Plan wäre zur Ausführunggebracht worden, wenn Gott der Herr den Papst nicht ge-schützt hätte.

Das Dunkel, welches über dieser Verschwörung ruht, wirdwohl nie ganz aufgehellt werden. Platina und Pomponius Laetus blieben mitrührender Einstimmigkeit dabei, alle Schuld aufdie Arglist dessen zu schieben, den die gelungene Flucht zu-nächst jeder Verantwortung entzog. Callimachus aber hattealle Ursache, auch im fernen Polen, wo er bei dem mit Paul II. verfeindeten Könige Kasimir eine sichere Zuflucht zu findenhoffte, reinen Mund zu halten, denn Paul II. machte freilichvergebens große Anstrengungen, seiner habhaft zu werden.Noch im Jahre 1470 drang der päpstliche Legat Alexander, Bi-schof von Forli, auf dem General-Landtage zu Petrikau auf dieAuslieferung des Verschwörers, der nur durch eine Reihe vongünstigen Zufällen diesem Schicksal entging.

Wenn man nun auch in Rom aus Mangel an Beweismate-rial endlich die Nachforschungen nach dieser Verschwörungauf gab, so war man deshalb nicht gewillt, auch die Verfolgungdessen, was man dieHäresie der Akademiker nannte, ein-zustellen, und zwar um so weniger, als Platina selbst bezüglichdes heidnischen Treibens seine Schuld nicht zu leugnen wagte.Leider sind die wirklich authentischen Nachrichten auch hiernur spärlich.

Daß Paul II. gegen die heidnischen und philosophischenAusschreitungen der Schulmeister und Schöngeister mit ab-

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