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Das 14. und 15. Jahrhundert
schreckender Strenge vorzugehen gedachte, wird von verschie-denen Seiten bezeugt.
Daß schon Mitte März des Jahres 1468 allen Lehrern inRom wegen Gefahr der Häresie die Benutzung der alten Dichterverboten wurde, wird von einem Gesandten ausdrücklich ge-meldet.
Eine merkwürdige Rechtfertigung des Verfahrens Pauls II. gegen die römische Akademie hat die neuere Katakomben-forschung an den Tag gebracht.
Bis zum 15. Jahrhundert war die unterirdische Totenstadtder alten Christen, mit Ausnahme der Katakomben von S. Se-bastiano, völliger Vergessenheit anheimgefallen. Anfangs sindes nur Namen von Mönchen und Pilgern, welche die Frömmig-keit hinführte. Ich kam her, diesen heiligen Ort zu besuchen,schreibt Bruder Laurentius von Sizilien, mit zwanzig Genossenaus dem Orden der Minderbrüder, am 17. Januar 1451. Plötz-lich aber traten dem Besucher die eigenhändigen Einkritzelun-gen (Graffiti) von Humanisten und römischen Akademikernentgegen: Pomponius, Platina, Volscus, Campanus, Panthagatus,Ruffus, Histrius, Partenopäus, Perillus Carpurnis und andere.Sie nennen sich einmütige Verehrer und Erforscher römischerAltertümer unter der Regierung des Pontifex maximus Pom-ponius. Pantagathus bezeichnet sich als Priester der römischenAkademie. Es waren nicht christliche, sondern nur antik-heid-nische Altertümer, welche diese Leute hier suchten. In seineansehnliche Inschriftensammlung nahm Pomponius nur eineeinzige christliche auf, und auch diese nur weil sie metrisch warund in ihren gewandten Formen einen heidnischen Anflug be-kundete. Bezeichnender noch ist, daß diese modernen Heidensich erfrechten, in den ehrwürdigen Grüften der Katakomben,wo selbst die Steine das Evangelium predigen, frivole Inschriftenin die "Wände einzuritzen! Die von Zeitgenossen gegen dieAkademiker erhobene und auch noch nach ihrer Entlassung ausder Haft aufrecht erhaltene Beschuldigung, sie seien eher Hei-den als Christen gewesen, erscheint angesichts dieser Zeugnissenur zu erklärlich.