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Das 14. und 15. Jahrhundert
cana“. Dasselbe befand sich ursprünglich in dem Saale derlateinischen Handschriften, schräg dem Eingänge gegenüber.
Es ist nicht gleichgültig, vielmehr für die Gewinnung un-mittelbarer Anschauung des vatikanischen Bibliothekbetriebeszu Ende des 15. Jahrhunderts wertvoll, die folgenden Einzelhei-ten zu erfahren.
An kalten und feuchten Wintertagen war die prächtig ein-gerichtete Bibliothek geheizt. Obgleich die Handschriften an-gekettet waren, wurden dieselben doch mit großer, damals uner-hörter, Liberalität auch zur Benutzung außerhalb des Lokalesvergeben. Das Ausleihregister Platinas ist erhalten. Es ergibt sichaus demselben, daß auch mehrere Bände zugleich demselben Be-nutzer anvertraut wurden. Die Nachlässigkeit mancher Be-nutzer zwang die Verwaltung von 1480 an, die Erhebung vonPfändern zu fordern.
VIII.
In der ersten Zeit nach der Erhebung Sixtus’ IV. , scheinendie humanistischen Kreise ernstlich besorgt gewesen zu sein, wiesich der einstige Franziskanermönch zu ihren Bestrebungen stel-len werde. Zeuge dessen ist eine dem Papste gewidmete Schriftdes Sigismondo de Conti, in welcher Sixtus daran erinnert wird,wie der berühmteste Papst des Jahrhunderts, Nikolaus V. , alsMäcen der Gelehrten so hohen Ruhm erlangt habe. Sigismondoermahnt Sixtus IV. geradezu, er möge nicht zu wenig Gewichtauf die Gesinnung der Gelehrten legen und auf das, was die be-rühmten Geister über ihn niederschrieben. Er erinnert dabeian den Ausspruch des Francesco Sforza , er ziehe einen Dolch-stoß einem satirischen Gedichte vor.
War auch, dank der Anziehungskraft der ewigen Stadt aufdie das Altertum liebenden Geister, die römische Gelehrtenkolo-nie schon an sich zahlreich genug, so bemühte sich der Papstdoch noch, sie zu vergrößern. Eine der wichtigsten Berufun-gen, die ihm gelang, war die des Johannes Argyropulos von Kon-stantinopel. Die Gewinnung dieses talentvollsten der nach Ita-lien übergesiedelten Griechen war ein Sieg über die Medici, inderen Dienst Argyropulos lange gestanden hatte. Der Neu-