Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Renaissance

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berufene erlangte einen glänzenden Erfolg. Er hatte die Freude,unter seinen Zuhörern die angesehensten Männer, Bischöfe undKardinäle, ja auch hervorragende Fremde, wie Johann Reuchlin ,zu sehen. Auch Angelo Poliziano saß in Rom zu den Füßen desArgyropulos.

Der verdiente florentinische Literat Bartholomäus Fontiuserhielt unter Sixtus IV. eine Lehrkanzel an der römischen Uni-versität. Als Professor der Rhetorik wurde 1473 an derselbenAnstalt Martino Filetico angestellt. Porcellio, welcher nach demTode Pius II. nach Neapel gegangen war, erhielt gleichfalls vonSixtus IV. eine Professur an der römischen Universität. Guil-laume Fichet, welcher die Buchdruckerkunst in Paris einführte,widmete einen der ersten Drucke dem Papst, welcher den Ge-lehrten zum Kammerherrn und Pönitentiar ernannte. Wiesehr Sixtus IV. sich auch sonst für nicht-italienische Gelehrteinteressierte, zeigt die Tatsache, daß er im Herbst des Jahres1475 den berühmten Regiomontanus (Johann Müller von Kö-nigsberg in Franken) nach Rom berief. Der große Mathema-tiker, der auf Wunsch des Papstes bei der Kalenderreform be-hilflich sein sollte, starb aber schon am 6 . Juli des Jahres 1476.

An der Spitze der glänzenden Humanisten-Reihe, welchedamals in Rom blühte, stand Pomponius Letus, der aber fastausschließlich seiner Lehrtätigkeit lebte. An ihn reihte sich derVerfasser der ersten Papstgeschichte, Platina. Unter den Dich-tern sind zu nennen Campanus, Porcelius, Jacobus de Horetis,Francesco Quercente und Aurelio Brandolini. Letzterer ent-zückte selbst den für Poesie wenig empfänglichen Papst, zudessen Ehren zahlreiche Lobgedichte erschienen. Wie groß dieZahl der sonstigen Poeten war, die mehr oder weniger rühmens-werte lateinische Gedichte schufen, zeigt eine Sammlung solcherErzeugnisse zu Ehren eines im jugendlichen Alter verstorbenenPagen des Girolamo Riario, namens Alessandro Cinuzzi, die1474 in Rom gedruckt wurde.

IX.

Vielfache Zeugnisse von den Humanisten hoben die sprich-wörtlicheunglaubliche Freiheit hervor, welche man in Rom genoß.