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Das 14. und 15. Jahrhundert
Die unglaubliche Freiheit fand ihren sprechendsten Aus-druck darin, daß der Papst die von Paul II. verbotene römischeAkademie wieder gestattete.
Als die Akademiker am 21. April 1483 den Geburtstag derStadt Rom feierten, ging ein vom Präfekten der Vaticana, Deme-trio da Lucca , abgehaltener Feldgottesdienst vorher, nach wel-chem Paolo da Pescina eine Rede hielt. An dem darauf statt-findenden Gastmahl nahmen sechs Bischöfe teil. Bei dieser „aka-demischen Festlichkeit“ wurde das Privilegium verlesen, durchwelches Kaiser Friedrich der Akademie das Recht erteilte Dok-toren zu ernennen und Poeten zu krönen. Junge Dichter trugendabei ihre Verse vor.
Ein sprechendes Zeugnis von der Klugheit und Menschen-kenntnis Sixtus’ IV. ist sein Verfahren gegenüber Platina, einemder leidenschaftlichsten Mitglieder der Akademie. Er verstandcs, diesen „Rädelsführer der Opposition“ vollständig zu gewin-nen, indem er ihm die glänzende und ehrenvolle Stelle einesVorstandes der Vatikanischen Bibliothek verlieh. Mit ebenso-viel Klugheit wie Geschick stellte dann der Papst Platina zweigroße Aufgaben, die jede Gefahr papstfeindlicher Gesinnungaufhoben, ja die ganze Kraft dieses Literaten einfach in denDienst derselben Macht stellten, gegen die er sich aufgelehnthatte. Das stilistische Talent Platinas, von welchem derselbein seiner Geschichte Mantuas eine Probe geliefert hatte, verwer-tete Sixtus IV. , indem er ihn mit Abfassung einer Geschichte derPäpste betraute; hieran reihte sich der Auftrag, eine Sammlungder Dokumente über die Rechte des Heiligen Stuhles anzulegen.Schon am Ende des Jahres 1474 oder Anfang 1475 konnte Pla-tina seine „Geschichte der Päpste“ seinem hohen Gönner über-reichen.