Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Von 1484 bis 1492

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Der Papst ließ die Venezianer gänzlich im Stich.

Unter Vermittlung des Kaisers wurde am 28. November1482 zwischen dem Papst, Neapel, Mailand und Florenz einWaffenstillstand geschlossen, dessen ausdrücklicher Zweck dieVerteidigung Ferraras und die Beschränkung Venedigs war.

Mit der ruhigsten Miene schrieb Sixtus an den Dogen, ihmbeteuernd, daß er nur notgedrungen, aus Rücksicht auf dasWohl der Kirche Krieg geführt habe. Er warf alle Schuld aufdie Venezianer, die er nun auf forderte, von dem Kriege gegendas Vasallenland der Kirche, Ferrara, abzustehen.

Am 13. Dezember zog Sixtus nach der Kirche S. Maria dellaVirtü und taufte sie della Pace. Am Weihnachtsabend wurdeder Friede mit den italienischen Mächten in S. Peter ausge-rufen.

Die frohlockende Bürgerschaft brachte dem Papst einenFackelzug zu Roß dar.

Am folgenden Tage kam der Herzog von Calabrien mitgroßem Gefolge, in welchem Türken besonders auffielen.

Er nahm Wohnung im Vatikan .

Alfonso verließ schon am 30. Dezember Rom , um mit demSegen seines Feindes nach Ferrara abzuziehen. Niemand wußtezu sagen, weshalb nur eben erst so viel Blut geflossen war.

Über die folgenden Monate berichten unsere Quellen:

Im Februar 1483 feierte man in Rom große Karnevalsfeste,darunter eine Tierjagd auf dem Kapitol. Bei dieser Gelegenheitfand eine jener damals typischen Schlägereien statt, in welchendie Stadtviertel (Regionen) ihrer Gegnerschaft handfesten undoft blutigen Ausdruck verliehen. Es gab keine Festgelegenheit,welche nicht von den Stadtvierteln oder von den Mönchsordenoder von anderen Gegnerschaften entsprechend benutzt wurde.

Als man am 24. Januar 1483 den toten Camerlengo Estou-teville nach S. Agostino trug, schlugen die Mönche von S. MariaMaggiore und die Augustinerbrüder mit den großen Leichen-fackeln wütend aufeinander, weil jene von dem Goldbrokat