1178
Wende vom Mittelalter zur Neuzeit
Anjou und ward dann Geistlicher. Paul II. machte ihn zumBischof von Savona, Sixtus IV. zum Bischof von Molfetta ,und im Jahre 1473 zum Kardinal. Er wurde fortan meistens,„der Kardinal von Molfetta “ genannt.
IV.
Der Tod Sixtus’ IV. war das Zeichen zur Erhebung der vonihm so lange niedergehaltenen Gegenpartei.
„Ein unbeschreiblicher Tumult erfüllte Rom ; die Hölleschien dort losgelassen. Barone, Bürger und Kardinale ver-schanzten ihre Häuser, während das Volk, voll Erbitterung überdie Wucherherrschaft der sixtinischen Nepoten, den Palast Ria-rios bei S. Apollinare verwüstete, die Kornmagazine und diegenuesischen Wechselbanken plünderte.“
Man baute Barrikaden in ganz Rom . Vom Monte Gior-dano her zogen Reitergeschwader durch die Straßen mit demRuf: „Orsini und Kirche!“ Von Santi Apostoli her sprengtendie Gegner durch das Marsfeld mit dem Geschrei: „Colonna!“
Indessen gelang es dem neuen Papst, dessen persönliche Güteund wahrhafte Leutseligkeit ihm nicht nur allgemeine Sympa-thie, sondern auch politische Erfolge eintrugen, den Bürgerkriegzunächst abzuwenden. *)
Die Barone schlossen durch ihre Boten ein Bündnis mitdem Papst, der sich verpflichtete, sie in Schutz zu nehmen, undRene von Lothringen auf den Thron Neapels zu berufen.
V.
Noch vor Ablauf des Jahres 1485 entbrannte der Ge-schlechterkampf aufs neue, und im Anfang des Jahres i486 war
*) Die von Gregorovius übernommene Nachricht über eine „zahlreiche,uneheliche Nachkommenschaft Innocenz’ VIII.“ ist von Pastor, Geschichteder Päpste Bd. III. (1926) S. 215 ff. widerlegt worden. Innocenz hatte inseiner vorpriesterlichen Zeit zwei uneheliche Kinder, welche er gemäß denAnschauungen der Zeit als legitimiert behandelte: Francesco (Franceschetto)Cibo, und Teodorina Cibo, beide am päpstlichen Hofe des Vaters „prinzlich“angesehen.