Von 1484 bis 1492
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der Papst genötigt, Krieg gegen Neapel zu führen. Dieser Kriegwurde am n. August i486 durch einen Verständigungsfriedenbeendet, für welchen das römische Volk dem Papst dankbar war.Denn das Elend um Rom herum und in Rom war unerträglichgeworden. Die Campagna lag in Trümmern. Man sah nur ver-brannte Orte, nur Scharen von Bettlern oder Räubern.
„Blutrache und Gewalttaten jeder Art bildeten das Geprägeder römischen Gesellschaft, wie die italienische Natur überhauptim letzten Drittel des ij. Jahrhunderts den Zug dämonischerLeidenschaft zeigt. Tyrannenmorde, Verschwörungen, Treu-brüche sind überall an der Tagesordnung. Eine frevelhafte Selbst-sucht greift um sich, der schreckliche Grundsatz wird reif, daßder Zweck die Mittel heilige. Mit Schauder lesen wir heute dieBerichte von der massenhaften Abschlachtung der Barone Ne-apels, wozu der schwache Papst nach einigen schüchternen Vor-stellungen furchtsam schwieg.“
Indessen hatte der Krieg in Rom eine Anarchie entfesselt,welche jeder Bemühung des Papstes, Ordnung und Recht zuschaffen, spottete.
Fruchtlos erließ der Papst Edikte gegen Bluträcher undRäuber. „Jeder Morgen enthüllte die Schauder der Nacht, dieErdolchten, welche auf den Straßen lagen. Man plündertePilger, selbst Gesandte vor den Toren der Stadt aus. Die Ge-richte waren machtlos oder feil. Die Nepoten verkauftenschamlos das Recht.“
Als einst der Vize-Camerlengo gefragt wurde, weshalb dieÜbeltäter nicht bestraft würden, sagte er in des Geschichts-schreibers Infessura Gegenwart lachend: „Gott will nicht denTod des Sünders, sondern daß er leben aber bezahlen soll.“
Verbrecher henkte man in der Torre di Nona, wenn sieinsolvent waren, aber man ließ sie frei, sobald sie der richter-lichen Kurie eine Summe erlegten. Mörder erlangten für Geldohne Mühe einen Freibrief vom Papst, der ihnen erlaubte, mitBewaffneten in der Stadt umherzugehen, um sich gegen Blut-rächer zu verteidigen.
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