Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Wende vom Mittelalter zur Neuzeit

Franceschetto Cibo hatte einen förmlichen Vertrag mitdem Vizekämmerer gemacht, wonach jedes Strafgeld über 150Dukaten ihm selbst, das geringere der Kammer zufiel. Jeder-mann spottete der Justiz, und jeder half sich selbst mit Bewaff-neten. Als Bernado Sanguigni im Hause einer damals berühmtenKurtisaneGrechetta von einem Franzosen erstochen wurde,sprangen aus dem Palast Crescenci mehr als 40 Jünglinge hervor,seinen Tod zu rächen. Sie verbrannten jenes Haus. Mehr als2000 Menschen nahmen an diesem Aufruhr teil.

Jeder Palast bildete damals ein verschanztes Lager. JedeWohnung eines Kardinals mit ihrem ganzen Bezirk war einAsyl. Diese hohen und breiten Häuser waren burgartig, undmit kleinen Türmen versehen. Das gewaltige Portal schloß einemit Eisen bekleidete Türe, die, wenn sie verrammelt war, nichtleicht gesprengt werden konnte. Sie führte durch ein gewölbtesVorhaus in große Säulenhöfe, mit steilen Steintreppen undLogen in den Obergeschossen; und dort wie in den weiten Ge-mächern konnte der Kardinal viele hundert mit Archibusen be-waffnete Söldner verteilen; ja selbst an Artillerie fehlte es insolchem Palast nicht. Wenn Frevler den Schutz eines Kardinalserlangten, so verteidigte sie dessenFamilie mit den Waffenin der Hand gegen die Justiz. Als eines Tages junge RömerLeute des Kardinals Ascanio verwundeten, zog dessen Familiemit Wurfgeschoß öffentlich aus, und sie verwundete mehr als20 Personen auf der Straße. Der Kapitän der Curia Savellinahm eine Exekution in der Nähe des Palastes des KardinalsBalua vor. Aus dem Fenster verbot dies der Kardinal, weil hiersein Bezirk sei. Da der Exekutor nicht gehorchte, befahl jenerseinen Leuten, den Gerichtshof zu stürmen. Sie verwüstetenihn, zerstörten die Akten, und befreiten alle Gefangenen.

VI.

Dem vorstehend gezeichneten Bilde des römischen Lebensum 14841492 würde ein wesentlicher Zug fehlen, wenn wirnicht auf die Kardinäle dieser Zeit als Gesamterscheinung hin-weisen würden, deren Macht, durch Häufung von Pfründen und