Von 1484 bis 1492
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durch Verbindung mit fremden Höfen gesteigert, jetzt so großgeworden war, daß sie das Papsttum zu unterwerfen drohten.
In Rom erschienen sie wie die wiederauf gestandenen Se-natoren des Altertums. Fast ein jeder war, wie der Papst selbst,von einer Kurie und von Nepoten umgeben. Sie gingen oderritten einher in kriegerischer Kleidung, kostbare Degen an derSeite. Eine dienende Mannschaft von mehreren hundert Per-sonen lebte im Palast fast jedes Kardinals, und sie wurde durch„Bravi“ vermehrt, welche der Spionage und jeder meuchleri-schen Aufgabe obzuliegen bereit waren.
Dazu kam der Anhang im Volk, welchem der Hof des Kar-dinals Nahrung gab. Fast jeder dieser Kirchenfürsten besaßeine Faktion, und sie wetteiferten miteinander, ihren Glanz na-mentlich bei den Cavalcalden und den Carnevalspielen zu ent-falten, wo sie Triumphwagen mit Masken, Sängerchören undKomödianten auf ihre Kosten rüsteten und durch die Stadt zie-hen ließen.
Die Literatur jener Zeit und die spätere Literatur über dieseZeit liefert in fast überreichem Maße verbürgte Berichte überdas, was bekannt ist als „Verweltlichung und Sittenverderbnisder Kardinäle“.
Als besonders wertvolles und hochstehendes Geschichtsdo-kument für diese Erscheinungen ist hier das Schreiben hervor-zuheben, welches Lorenzo de’ Medici im Jahre 1492 kurz vorseinem Tode an seinen (zweiten) Sohn Giovanni de’ Medici *)richtete, der damals 17 jährig in Rom als Kardinal eingeführtwurde **).
„In prächtigen Palästen, umgeben von dem ausgesuchtestenLuxus einer hochentwickelten Kultur, lebten diese Kardinäleganz wie weltliche Fürsten und schienen ihr geistliches Kleidnur als Standesornat zu betrachten. Sie jagten, spielten um hoheSummen, gaben schwelgerische Gastmähler, feierten üppige