Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
Seite
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bens stets einen gewissen Ernst, einen besseren Kern bewahrt,wie sich dies später noch zeigen sollte. Groß stand Giuliano daals Förderer der Künstler, die er auch in den bewegtesten Zei-ten seines Lebens nie vergaß. Ein Prachtwerk ersten Rangeswurde das eherne Grabmal, das er für seinen Oheim Sixtus IV. durch Antonio Pollaiuolo in St. Peter errichten ließ. Für sei-nen Vater stiftete Giuliano della Rovere in SS. Apostoli einnoch vorhandenes, durch edle Einfachheit ausgezeichnetes Grab-mal. Der Basilika S. Pietro in Vincoli schenkten Oheim undNeffe den ehernen Schrein für die Aufbewahrung der KettenPetri, dessen Schöpfer wahrscheinlich der jugendliche Cara-dossa war. Die beiden Paläste des Kardinals Giuliano bei SS.Apostoli und S. Pietro in Vincoli wurden durch Perugino undPinturicchio mit Malereien und auch durch Aufstellung von an-tiken Statuen geschmückt. Später war er vor allem mit demAusbau seines festen Schlosses zu Ostia und der Sicherung seinerAbtei Grottaferrata beschäftigt.

Bauliche Unternehmungen weltlicher wie kirchlicher Artnahmen überhaupt fast alle Kardinäle in Anspruch. Nicht we-nige zeigten ein besonderes Interesse für das klassische Alter-tum; wie sehr man diesem huldigte, erhellt aus der von denspäteren kirchlichen Schriftstellern hervor gehobenen Tatsache,daßein so frommer und ernster Prälat wie Francesco Piccolo-mini kein Bedenken trug, in seinem prächtigen Palast die be-kannte Gruppe der drei nackten Grazien aufzustellen.

Dem Theater schenkte Kardinal Raffael Riario seine beson-dere Gunst. Der Jagd huldigten zahlreiche Mitglieder des Kar-dinalskollegiums. Wie luxuriös sich das Leben dieser Kirchen-fürsten gestaltet hatte, kann man daraus entnehmen, daß alsDurchschnittssumme für den Unterhalt jedes Kardinals in derWahlkapitulation von 1484 die Summe von 4000 Dukaten fest-gestellt ward.

VII.

Innocenz hatte Orsini und Colonna zum Waffenstillständebewogen. Zuerst war er diesen geneigt, dann wandte er sichjenen zu. Seinem Sohn Franceschetto, welcher im neapolitani-