Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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Von 1484 bis 1492

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jenem Tor mit den Ehren eines Herrschers. Es wird berichtet:Der Sohn Mohammeds würdigte sie keines Blickes. Das Hauptmit dem Turban und das melancholische Angesicht mit einemSchleier bedeckt, saß er bewegungslos auf dem weißen Zelterdes Papstes.

Der ägyptische Gesandte eilte mit seinem Gefolge herbei,dem großen Prinzen zu huldigen; diese Ägypter küßten weinenddie Erde vor Djem, die Füße seines Pferdes, und seine eigenenKniee. Doch keine Miene verriet die Bewegung des Sohnes desGebieters der halben Welt. Stumm ritt er in Rom ein, zwischendem Papstsohne und dem Prior von Auvergne , und der langeReiterzug vereinigter Christen und Moslem bewegte sich durchdie staunenden Volksmassen nach dem Vatikan . Dort nahmDjem in den für den Empfang von Monarchen bestimmten Ge-mächern seine Wohnung.

Der Papst empfing gleich am folgenden Tage den Großtür-ken im vollen Konsistorium. Djem wurde hier mit allen For-men wie ein christlicher Fürst eingeführt. Die Aufforderungdes Zeremonienmeisters, sich vor dem Papst niederzuwerfen,verachtete er. Den Turban auf seinem Haupt schritt er ruhigauf den Papst zu und hauchte flüchtig einen Kuß auf dessenrechte Schulter. Sein Dolmetsch sprach für ihn Worte derEmpfehlung, und dankte für die Versicherung, daß der Prinzungekränkt in Rom leben dürfe. Djem ließ sich darauf herab,die Kardinäle zu umarmen, und er zog sich endlich in seineGemächer zurück, wo er die Geschenke des Papstes, Tep-piche, Kleider, Schmucksachen, keiner Aufmerksamkeit wür-digte.

Der Sultansohn lebte seither, von einigen Rhodisern be-wacht und wie ein gefangener Monarch behandelt, im Vatikan freudlose Tage, deren Einsamkeit Furcht vor Auslieferung oderGift noch peinvoller machte.

Dem Sultan Bajazet lag alles daran, seinen Bruder entwederdurch ewiges Gefängnis im Auslande oder besser durch schnei-