Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Alexander VI. 1492 bis 1503

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Alfonso war der Ansicht, der Anschlag sei von seinemSchwager Cesare ausgegangen. Kaum begann er zu genesen, alser auch den Plan faßte, sich zu rächen.

Der Papst ließ Alfonsos Krankenzimmer zu seinem Schutzmit "Wächtern umstellen. Trotzdem wurde derselbe dann in sei-nem Krankenzimmer im Vatikan am 18. August ijoo umge-bracht.

Am 31. August 1500 zog Lucrezia mit ihrem Hofstaat nachNepi, dessen hohe Lage Schutz gegen die rings in den Fels-schluchten lauernde Fieberluft und einen großartigen Umblickauf den vulkanischen Höhenzug von Bracciano bis Monte diRocca Romana, auf den Soracte und dahinter auf die Sabinabietet. Hier verweilte Lucrezia bis zum Oktober, als ihr Vatersie mit ihrem Kinde nach Rom rief, wo sie im Palast am S. PeterResidenz nahm.

Es war damals, daß der Papst Lucrezia zu einer unerhörtenHöhe erhob, indem er sie bei seiner Abwesenheit von Rom ,zweimal (Juli und September 1501) als Regentin mit seiner Ver-tretung in allen weltlichen Dingen betraute. Als Ratgeberinsehr wichtigen Fällen gab er ihr den Kardinal von Lissabon zur Seite. Diese außerordentliche und vom Standpunkt derKirchenverfassung aus höchst anstößige Maßnahme hing zu-sammen mit dem Wunsch des Papstes, das Ansehen seiner Toch-ter zu höchstem Glanz zu bringen und dadurch seinen Plan zufördern, Lucrezia mit einem anderen Alfonso, dem Thronerbendes Herzogtums Ferrara zu vermählen, einen Plan, welchem inFerrara Widerstand bereitet wurde.

Am 1. September ijoi wurde der vom Papst betriebeneEhebund in Ferrara durch Unterzeichnung des Heiratsvertragesabgeschlossen.

Die Vorbereitungen für den Einzug in Ferrara zogen sichbis Januar 1502 hin.

Am 23. Dezember 1501 traf eine feierliche ferrarische Ge-sandtschaft in Rom ein.