Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
Seite
1198
Einzelbild herunterladen
 

1198

Wende vom Mittelalter zur Neuzeit

Am Stadttor begrüßten den Zug neunzehn Kardinale, vondenen jeder zweihundert Personen mit sich führte. Der Empfangunter Deklamationen nahm hier zwei Stunden in Anspruch, so-daß es darüber Abend wurde. Endlich bewegte sich diese ganzeCavalcade von so viel tausend Reitern unter dem Schall vonTrommeln, Pfeifen und Hörnern durch den Korso über Campodi Fiore nach dem Vatikan , begrüßt von Salutschüssen des Ka-stells S. Angelo.

Alexander stand an einem Fenster des Palastes, diesen Auf-zug zu betrachten.

Als dann seine Kämmerer die Ferraresen an der Treppe desPalastes empfingen und sie zu ihm führten, kam er ihnen mitzwölf Kardinalen entgegen. Die Ferraresen küßten seine Füße,und er erhob und umarmte sie.

Lucrezia ging ihnen bis zur Treppe ihres Palastes entgegen,gelehnt auf den Arm eines in schwarzen Samt gekleideten ält-lichen Kavaliers, der eine goldene Kette um den Hals trug.Nach vorher festgestelltem Zeremoniell küßte sie ihre Schwägernicht, sondern sie neigte nur Gesicht zu Gesicht, was als fran-zösische Form galt. Sie trug ein Kleid von weißem in Gold ge-sticktem Tuch, darüber einen Überwurf aus schwarzbraunemSamt mit Zobelbesatz; die Ärmel von weißem Goldbrokat, engeund mit Querschnitten nach spanischer Mode; der Kopfputzaus grünem Flor, von einem dünnen Goldfaden und zwei ReihenPerlen umgeben; um den Hals hatte sie eine dicke Perlenschnurmit einem nicht gefaßten Solitär.

Das weiß ich gewiß, so schrieb El Prete,daß unsermKardinal Hippolyt die Augen leuchteten: sie ist eine reizendeund anmutige Dame.

Die Prinzen Ferraras bezogen ihre Wohnung im Vatikan ,andere Herren im Belvedere. Die Mehrzahl wurde bei Kurialenuntergebracht, welche ihren Unterhalt bestreiten mußten. Je-doch auch Kaufleute mußten die Lasten des päpstlichen Glanzestragen. Mehrere Beamte murrten über ihre ferrarische Ein-quartierung und versorgten diese so schlecht, daß der Papst ein-schreiten mußte.