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„Am Abend des 30. Dezember holten die Ferraresen „Ma-donna Lucrezia“ zum Vatikan ab. Die Braut Alfonsos trataus ihrem Palast mit ihrem ganzen Hofstaat und mit fünfzigEhrendamen. Sie war in Goldbrokat und karmoisinroten Samtmit Hermelinbesatz gekleidet. Die Ärmel ihres Gewandes hin-gen bis zur Erde nieder. Die lange Schleppe trugen Hoffräulein.Ihr goldfarbenes Haar umschlang ein schwarzes Band, und ihrHaupt war mit einem Schmuck aus Gold und Seide leicht be-deckt. Sie trug um den Hals eine Perlenschnur mit einem Ge-hänge, welches aus einem Smaragd, einem Rubin und einergroßen Perle bestand.“
„So setzte sich der Zug in Bewegung, während auf der Peters-treppe Musikchöre spielten. In der Sala Paolina erwartete sieder Papst auf dem Thron, dreizehn Kardinäle und seinen SohnCäsar neben sich. Von fremden Gesandten waren die Botschaf-ter Frankreichs, Spaniens und Venedigs anwesend. Der deutscheGesandte fehlte.
Die Zeremonie begann mit der Verlesung der Mandate desHerzogs von Ferrara. Dann hielt der Bischof von Adria dieTrauungsrede. Es wurde ein Tisch vor ihn gestellt, an welchemDon Ferrante als Stellvertreter seines Bruders, und Donna Lu-crezia traten. Ferrante richtete an sie die Frageformel, und aufihre Bejahung steckte er ihr den Ring an den Finger mit folgen-den Worten: „diesen Vermählungsring sendet dir, erlauchteDonna Lucrezia, der erlauchte Don Alfonso aus freier Wahl, undin seinem Namen reiche ich dir denselben dar.“ Sie antwortete:„und so aus freier Wahl empfange ich ihn.“
Sodann folgte die Übergabe der Juwelen an Lucrezia durchden Kardinal Hippolyt.
Hippolyt vollzog seinen Auftrag mit solcher Grazie, daßder Papst ihm sagte, er habe die Schönheit des Schmucks erhöht.Die Kleinode lagen in einem Kästchen, welches der Kardinal erstvor den Papst hinstellte und dann öffnete. Ein ferrarischerSchatzmeister half ihm, die Kostbarkeit der Juwelen ins rechteLicht zu stellen. Der Papst selbst nahm sie in die Hand undzeigte sie seiner Tochter. Es waren Ketten, Ringe, Ohrgehänge,