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folgenden wurde sie allgemeiner. Die Aragonen verpflanztensie nach Neapel, und die Borgia nach Rom , wo man bisher nurStierhetzen auf der Navona oder am Testaccio zum besten ge-geben hatte. Cäsar zeigte in diesen Spielen gern seine Gewandt-heit und Kraft. Er ritt am z. Januar mit neun anderen Spaniern,welche wirkliche Matadore sein mochten, in das Gehege, wozuerst zwei Stiere losgelassen wurden. Den wildesten bestand erallein, zu Roß und mit der Lanze. Dann trat er auch zu Fuße aufin Gesellschaft von zehn anderen Spaniern. Nach diesemHeldenstück überließ der Herzog die weitere Arbeit den Mata-doren. Man erlegte zehn Stiere und einen Büffel.
Am 6 . Januar 1502 verließ Lucrezia in feierlichem BrautzugRom, um nach Ferrara zu ziehen.
Alexander suchte so viel römische Edelleute und Edeifrauenals möglich zu überreden, sich dem Brautzug anzuschließen. Ersetzte das auch durch.
Cäsar rüstete in seinem eigenen Namen ein Ehrengeleit vonzweihundert Reitern, mit einem Musikchor und mit Buffonen,die seine Schwester unterwegs erheitern sollten. Spanier, Fran-zosen, Römer und Italiener aus vielen Provinzen setzten dieseSchar zusammen.
Viele Wagen, welche der Papst in Rom hatte bauen lassen,und hundertundfünfzig Maultiere trugen die Aussteuer Lucre-zias. Diese Bagage wurde zum Teil vorausgeschickt. Die Her-zogin nahm alles mit sich, was ihr der Papst zu nehmen erlaubthatte. Er wollte auch nicht, daß davon ein Inventarium ge-macht wurde, wie der Notar Beneimbene geraten hatte. „Ichwill“, so sagte er den ferrarischen Gesandten, „daß die Herzoginüber ihr Besitztum frei verfüge, und es nach Belieben ver-schenke.“
Am 6 . Januar nahm Lucrezia Abschied von Rom, vonihrem Kinde Rodrigo, von ihrem Bruder Cäsar , und von ihrenbeiden Eltern, von ihrer Mutter anscheinend nur unter vierAugen, von ihrem Vater in der Kammer der Papageien, mit demsie eine Weile allein blieb, bis Cäsar hinzukam.