1207
Die Kardinale der Opposition, Giuliano, Gurk, Sanseverino,S. Denis, Savelli, Colonna und Ascanio bestürmten Karl, sichzum Reformator der Kirche aufzuwerfen, den simonistischenPapst durch Prozeß abzusetzen, einen würdigen Mann auf denheiligen Stuhl zu erheben.
Aber der König lehnte die Aufforderungen der Oppositionentschieden und beharrlich ab. Er suchte nur das militärischeAbenteuer und den Glanz von äußeren Erfolgen, an denen ersich persönlich berauschen konnte. Er dachte nicht daran, denPapst persönlich zu stürzen oder den Kirchenstaat zu vernichten.Jeder Vertrag, der ihm Aktionsfreiheit sicherte, war ihm ge-nehm. Dies erkannte der Papst, und hierauf gründete derselbeseine Politik.
Gewalttätigkeiten der Franzosen in der Stadt bewogenAlexander, am 6 . Januar 1495 in die Engelsburg zu ziehen.
Franzosen nahmen gewaltsam Häuser von Bürgern in Be-sitz; sie plünderten Wohnungen reicher Prälaten. Man erwürgteJuden im Ghetto, Römer wiederum erdolchten Franzosen. Dasfranzösische Militärkommando ließ Galgen auf Campo di Flore(Fiori) aufrichten und ließ sowohl französische Plünderer wieRömer henken. Am 8. Januar drangen Kriegsknechte in dasHaus des Paul de Branca, dessen zwei Söhne sie töteten. Gas-cogner und Schweizer stürmten die Bank, wo Marcus Matteierstochen wurde.
Karl forderte die Übergabe der Engelsburg. Der Papst ver-weigerte sie. „Mit den heiligsten Reliquien“, so ließ Alexandersagen, „will ich mich auf die Mauer des Kastells stellen, wennman dasselbe angreifen sollte“.
Zweimal ließ der König Artillerie auffahren, ohne jedocheinen Schuß abzufeuern.
Der König unterhandelte fortdauernd wegen des Vertrags,während er im Palast S. Marco glänzend Hof hielt, wo dieprachtvollen Säle stets von römischen Großen und Kardinälenerfüllt waren.