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Wende vom Mittelalter zur Neuzeit
volk, mit breiten Schwertern und langen Lanzen, in kurzen,engen und bunten Kleidern. Es folgten 5000 Gascogner, fastalle Bogenschützen, dunkle, kleine häßliche Menschen, sodanndie schwergepanzerte Reiterei, unter ihr die Blüte des französi-schen Adels, 5000 Pferde stark.“
„Was die größte Bewunderung erregte, war die Artillerie:3 6 Kanonen von Bronze, jede acht Fuß lang und 6000 Pfundschwer, auf Wagengestellen, außerdem Feldschlangen und vielkleineres Geschütz.“
„Der Anblick dieser Kriegerscharen, welche noch bei Fackel-licht durch Rom zogen, flößte Schrecken ein, zumal dieflackernde Beleuchtung Männer, Pferde und Geschütze über ihrnatürliches Maß größer erscheinen ließ.“ Die Via Lata, derheutige Corso, war bis S. Mario hin durch Laternen und an-gezündete Feuer erleuchtet. Das bestürzte Volk rief „Francia!Francia!“
Der König nahm seine Residenz im Palast S. Marco, derdamaligen Wohnung des Kardinals Lorenzo Cibo, Erzbischofsvon Benevent, welcher ihm entgegeneilte, als er abstieg, und ihnin die für ihn zugerüsteten Gemächer geleitete.
Artillerie wurde um den Palast aufgefahren. 2000 Reiterbesetzten „Campo di Flore“. Andere Truppen verteilten sichin der Stadt, deren wichtigste Punkte einnehmend.
Zwei Tage nach dem Einzuge warteten dem Könige CesarBorgia und die anderen Kardinäle auf.
Er empfing sie ohne Ehren. Man unterhandelte über dieGrundlage eines Vertrages.
Papst Alexander befand sich in dem gefährlichsten Augen-blick seines Lebens: ein Gefangener des mächtigsten Fürsten,dessen Geschütz die Engelsburg in wenigen Stunden zermalmenkonnte: der Gegenstand des Hasses wütender Feinde, die denKönig umringten, während dessen Absicht noch ein Geheimnis
war.