Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Alexander VI. 1492 bis 1503

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losigkeit, daß er die Neapolitaner begleiten und den PrinzenDjem mit sich nehmen wollte. Er machte noch am 25. Dezem-ber 1494 einen förmlichen Vertrag mit jenem Herzog, wonaches ihm freistehen sollte, mit seiner Kurie und dem Sultan sichins Königreich zu flüchten.

Die Aufregung in Rom war grenzenlos.

Der Einzug des französischen Königs und seiner Armeewurde zur Tatsache.

Am 27. Dezember rückten mit Erlaubnis des Papstes 1500Franzosen ein.

Die Römer stellten die Wappen Frankreichs vor ihren Türenaus, sodaß die ganze Stadt damit bedeckt war.

Am Morgen des 31. Dezember 1494 gingen Boten derBürgerschaft dem König entgegen: Hieronymus Porcaro, As-canius de Planca, Marius Millini, der Kanzler Christoforus delBuffalo, Jacobus Sinibaldi. Mit ihnen kamen auch Abgesandtedes Papstes: der Bischof von Nepi und der ZeremonienmeisterBurkard.

Karl VIII. empfing die Abgeordneten bei Galera. Porcaro,den Redner der Römer, würdigte er kaum einer Antwort. DemZeremonienmeister bemerkte er, daß er ohne jede Feierlichkeiteinziehen wolle. Er ließ ihn vier Millien weit neben sich reiten,und fragte ihn, wie Burkard in seinen Denkwürdigkeiten be-richtet, voll Neugierde nach den Persönlichkeiten des Papstesund seines Sohnes Caesar.

Der Einzug der französischen Truppen begann am 31. De-zember 1494 um 3 Uhr nachmittags und dauerte bis 9 Uhr abends.Der König selbst traf erst um 7 Uhr an der Porta del Popolo ein, wo sein Großmarschall dem Vertrage gemäß alle Tor-schlüssel der Stadt in Empfang nahm. Wie in Florenz ritt Karlin kriegerischer Haltung, mit eingelegter Lanze. Zu seinenSeiten hatte er die Kardinale Julian und Ascanio, hierauf Co-lonna und Savelli.

Ein glänzendes Gefolge von Rittern umgab ihn. Voraufzogen einige tausend Schweizer und Deutsche, herrliches Fuß-