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Wende vom Mittelalter zur Neuzeit
Karls Schweizervolk erstürmte am 8. September Rapallo mitsolcher Wut, daß es die gesamte Einwohnerschaft niederhieb.
Den wiederholten Mahnungen Alexanders, nicht weitervorzurücken, antwortete König Karl nicht. Den zu ihm ge-schickten Kardinal Piccolomini ließ er nicht einmal vor.
Verwundert über die Wehrlosigkeit des Kirchenstaatesdurchzog Karl VIII . das Patrimonium Petri. Überall setzte erFranzosen als Gouverneure ein. Von Viterbo aus hatte er LaTremouille an den Papst geschickt, die Ausweisung der Neapo-litaner aus Rom , Zufuhr und freien Durchzug zu verlangen.„Würde ihm dies verweigert, so werde er mit Waffengewalt indie Stadt einziehen“.
Am ij. Dezember 1494 rückte König Karl nach Nepi.
Hier erschienen zu seinem Erstaunen die Orsini, um mitihm einen Vergleichs-Vertrag zu schließen. Diese mächtigenBarone standen im engsten Bündnis mit Neapel. Ihr Haupt, Vir-ginius, als in die Verwandtschaft des Hauses Aragon auf genom-men, befand sich in neapolitanischen Diensten zu Rom.
Am 19. Dezember wurde der König von Virginius, welcherihm alle seine Burgen im Patrimonium hatte öffnen müssen, imSchloß Bracciano aufgenommen, wo er sein Hauptquartier auf-schlug.
Der Schrecken in Rom wurde täglich größer.
Jede Nacht erwartete man den Feind. Schon streiften fran-zösische Reiter bis zum Monte Mario. Zwar standen 6000 Nea-politaner in der Stadt. Doch der Papst hatte ihnen die Be-setzung der Engelsburg verweigert. Das Volk selbst wolltenichts von Verteidigung wissen. Vielmehr schrieen Bürger undKurialen, daß man sich mit dem König vertragen müsse.
Am 24. Dezember versammelte der Papst das Konsistoriumund hier erklärte er dem Herzog von Calabrien, daß der Abzugder neapolitanischen Truppen eine Notwendigkeit sei. DonFerrantino verließ hierauf die Versammlung voll Unwillen überden Abfall des Papstes. Dieser selbst war in so großer Mut-