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innere Morschheit, welcher das päpstliche Regiment und derKirchenstaat so rasch verfallen war.
Den Vorwand für den französischen Eroberungszug gabenErbansprüche auf die Anjousche Herrschaft in Neapel .
Die unmittelbare Veranlassung gab der Verrat, welchender Kardinal Giuliano Rovere (der spätere Papst Julius II. ) ausHaß gegen Alexander VI. übte, indem er (am 23. April 1494)sich heimlich in Ostia nach Lyon einschiffte, wo er von Karl VIII .am 1. Juni mit großer Pracht empfangen wurde und wo er denKönig mit Aufforderungen zum unverzüglichen Kriegszuge nachRom und Neapel bestürmte.
Am 29. August 1494 brach König Karl VIII. von Grenoble auf. Am 2. September überstieg er den Mont Genevre, am 3.rückte er in Piemont ein.
Ein so prachtvoll gerüstetes Heer hatte Frankreich kaumje zuvor gesehen. Es zählte nach mäßiger Schätzung 40 000Mann. Die Zahl der Schiffe betrug über 450. Das Fußvolk,namentlich mit mehreren 1000 Mann die Schweizer , bildete dieHauptstärke, und ein furchtbarer Artilleriepark sicherte denFranzosen die Überlegenheit über die Italiener, bei welchen dieKriegsschulen der Sforza und Braccio erloschen und die Heeres-einrichtung, zumal der Infanterie, veraltet waren. Den Königbegleiteten der Herzog von Montpensier, der Marschall von Gie,der Graf Robert de la Marche, Engilbert von Cleve, die Herrenvon Vendome, Luxemburg und Foix , und viele andere Große.
Der König selbst bot an der Spitze dieser Kriegerscharennichts weniger als den Anblick eines Helden.
Seine Erscheinung wird geschildert: „ein junger Menschvon 22 Jahren, klein und verwachsen, mit unförmlichem Dick-kopf und langer Nase, mit dürren Beinen, in schwarzen Samtund Goldbrokat gekleidet“.
Anfang September 1494 zog Karl in Asti ein, wo ihn Ludo-vico Sforza mit seiner Gemahlin Beatrix von Este und derenVater Ercole begrüßten.