Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Alexander VI. 1492 bis 1503

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Am 19. Januar erschien der Eroberer im Konsistorium zurObedienz vor dem Papst, die er bisher verweigert hatte. DerKönig küßte dem Papst Hand und Fuß, und sprach die vor-geschriebenen Worte:Ich bin gekommen, Euerer HeiligkeitGehorsam und Ehrfurcht zu erweisen, wie das meine Vorgänger,die Könige Frankreichs , zu tun gewohnt gewesen sind.

Als zur Feier dieser Versöhnung Alexander am folgendenTage die Messe in St. Peter las, reichte ihm der König das Weih-wasser, und er nahm dann seinen bescheidenen Platz nach demersten Kardinalbischof ein.

Am 25. Januar 1495 ritt Alexander mit dem Könige öffent-lich durch Rom .

König Karl verließ Rom am 28. Januar 1495 auf derselbenlateinischen Straße, auf welcher 229 Jahre früher Carl von Anjou gegen Manfred ausgezogen war, und wie damals, war auch jetztder Frühling frühzeitig eingetreten. Jetzt, wie damals, erschiendas Unternehmen tollkühn und abenteuerlich. Es galt einwohlgerüstetes Reich zu erobern, während sich im Rücken injedem Augenblick offene und versteckte Feinde erheben konn-ten. Aber auch im Jahre 1495 zeigte sich die Macht Neapels nur als schreckliche Larve.

Am 21. Februar 1495 ging Karl zu Schiff nach Ischia , amfolgenden Tag zog er unter dem Jubelruf des Volkes in dieHauptstadt des Königreichs Neapel ein.

Mit Sporen von Holz, so sagte Alexander VI. ,haben dieFranzosen Italien erobert, und die Kreide in der Hand, um ihreQuartiere damit zu bezeichnen, ohne andere Mühe als dies.

König Karl VIII. nahm Residenz in Neapel im KastellCampuano, wo der Thron der Anjou und Aragon stand. Dort-hin nahm er auch den Sultan Djem mit.

Der unglückliche Djem starb am 25. Februar 1495, nach-dem er kaum jenes Schloß in Neapel betreten hatte. Der Königbefahl, seinen Tod geheim zu halten. Man sagte, daß ihm aufBefehl Alexanders Gift in einem weißen Pulver gegeben wordensei. ,

Neomario, Geschichte der Stadt Rom II.

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