Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Alexander VI. 1492 bis 1503

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dische Gesandte, viele Prälaten und eine ganze Anzahl anderePersonen.

Der Chronist Johannes Burchard berichtet:Als Alex-ander VI. vernahm, der Herzog sei ermordet und wie Kehrichtin den Tiber geworfen worden, ward er aufs tiefste erschüttert.Er schloß sich in sein Gemach ein und man hörte ihn weinen.Von Mittwoch abend bis Sonnabend früh und trank er nichtdas geringste und schlief keine Minute.

Im päpstlichen Palast herrschte unerhörte Bestürzung undallgemeine Verwirrung. Die Frage nach den unbekanntenTätern und den Urhebern des Verbrechens beschäftigte hochund niedrig. Der erste Verdacht richtete sich allgemein gegendie Orsini und den Kardinal Ascanio Sforza , der kürzlich mitdem Herzog einen heftigen Streit gehabt hatte. Aber man be-schuldigte bald auch andere Persönlichkeiten: so den Schwagerdes Ermordeten, Giovanni Sforza von Pesaro (Gemahl der Lu-crezia), den Kardinal Sanseverino, den Herzog von Urbino , dieAufständischen in Viterbo , den Grafen Antonio Maria dellaMirandola. Viele glaubten, der Herzog sei bei einem Liebes-abenteuer der Eifersucht eines Römers zum Opfer gefallen. Voneinem Verdacht gegen Cesare Borgia war nicht die Rede.

Am 17. Juni erhielt der Stadtgouverneur vom Papst denBefehl, alle in der Nähe des Tibers gelegenen Häuser bis nachS. Maria del Popolo auf das genaueste zu durchsuchen. Hiervonwurde auch der dort gelegene Palast des Kardinals AscanioSforza , der am Tage vorher in einem vertraulichen Bericht denVorfall seinem Bruder in Mailand gemeldet hatte, betroffen.Der Kardinal lobte die päpstliche Anordnung und bemerkte, eswäre ihm lieber gewesen, wenn eine solche Durchsuchung gleichnach der Tat vorgenommen worden wäre, und bat, man mögemit seinem Hause den Anfang machen. Seiner Stellung undEhre wegen verließ der Kardinal seinen Palast. Dem mailändi-schen Gesandten erzählte er, der Stadtgouverneur habe ihmmitgeteilt, daß man im Nachlaß der Herzogs Briefe des FabrizioColonna gefunden habe, die dringend vor einem Römer warn-ten, auf den der Herzog sein ganzes Vertrauen gesetzt hatte.