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Wende vom Mittelalter zur Neuzeit
Neun Monate nach dem Tode Gandias trat in einem Be-richt des ferrarischen Gesandten, in Venedig, die Anschuldigungauf, der Urheber des Mordes sei Cesare Borgia . An diese Ur-heberschaft wurde allgemein geglaubt, nach dem 18. August1500, als Cesare Borgia seinen Schwager Alfonso, Herzog vonBisceglia, Prinzen von Salerno, den Gatten der Lucrezia, im Vati-kan auf unmenschliche Weise umbringen ließ, mit der vonCesare offen verkündeten Begründung, Bisceglia habe ihm nachdem Leben getrachtet.
Die Schlußscene dieser grauenhaften Episode wurde vondem venezianischen Gesandten Paolo Capello, lakonisch nachVenedig berichtet wie folgt:
„Am 18. August (1500) sah Alfonso von seinem Kranken-zimmer im Vatikan, wie Cesare im Garten spazieren ging.Schnell ergriff er einen Bogen und schoß nach dem Verhaßten.Jetzt, kannte Cesares Zorn keine Grenzen mehr: er ließ Alfonsodurch seine Leibwache sofort in Stücke hauen“ *).
X.
Die politische und ethische Atmosphäre, welche gegen dasJahr 1500 in Rom wie in ganz Italien herrschte, ist von Zeit-genossen und späteren Geschichtsdarstellern oft und eingehendgeschildert worden. Anstatt aller anderen Anführungen sei ausdieser Literatur diejenige von Gregorovius wiedergegeben.
*) "Wie der Verlauf dieser mörderischen Vorgänge gewesen ist, daringehen, wie die zeitgenössischen Berichte, ebenso die Darstellungen der heutigenGeschichtsschreiber auseinander. Nach der Erzählung des Chronisten JohannesBurchardus wäre Cesare Borgia am 18. August 1500 in das KrankenzimmerAlfonsos gedrungen, begleitet von seinem Vertrauten Don Michele, der denHerzog erwürgen mußte, weil die Erwartung Cesares, daß der Herzog an seinenWunden sterben werde, sich nicht erfüllt hatte. Cesare hätte die beiden Frauen,welche den Herzog pflegten und bei ihm im Zimmer waren, nämlich seine GattinLucrezia (Borgia) und seine Schwester, die Prinzessin Squillace , vorher gezwungen,hinaus zu gehen. Der Ermordete wurde noch in derselben Nacht begraben, wieBurchardus berichtet. Wenige Tage später schickte der Papst, auf VerlangenCesares die trostlos lamentierende Witwe Lucrezia aus Rom fort. „Am letztenAugust verließ Lucrezia die Stadt, von 600 Reitern begleitet, um sich von derGemütsbewegung zu erholen, welche ihr der Tod ihres Gatten zugezogen hatte.”