Von 1492 bis 1513
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Kirchenstaat herbeizuführen gesucht, und mit sichtlichem Er-folge. Er hat nicht vergeblich regiert. Auch die von ihm ver-mittelte Rückkehr Cesares nach Rom erwies sich im Ergebnisals ein jenen Zielen dienlicher Vorgang, da hierdurch sein ge-waltiger Nachfolger, Julius II., den noch immer nicht ungefähr-lichen Borgia in seine Gewalt bekam.
Eine in der Geschichte der Stadt Rom als Denkwürdigkeitzu vermerkende Episode, welche die Stärke des großen Picco-lomini, Pius III., beweist, ist es, daß, als die französische Armeevon Nepi über Rom nach Neapel marschieren wollte, der Papstdurchsetzte, daß die Armee (26. September) von Ponte Molle hersich an der Außenseite der Stadtmauer halten und östlich der-selben um Rom herummarschieren mußte. *)
Am 12. Oktober 1503 war in Rom die Aussöhnung und dieVerbündung der beiden feindlichen Häuser Colonna und Orsini verkündet worden, welche ebenso wie der Kardinal Giulianodella Rovere verlangten, daß Cesare alle seine Truppen entlasse.Die Orsini verlangten die Festnahme des Herzogs.
Am 15. Oktober versuchte der nunmehr verzweifelndeCesare vor der Rache der Orsini aus Rom zu entkommen.Allein kaum hatte er den vatikanischen Palast verlassen, als sichder größte Teil seiner Mannschaft zerstreute. Mit nur siebzigBewaffneten mußte er in seine Wohnung zurückkehren. Vondort wurde Cesare durch die spanischen Kardinäle in die Engels-burg gerettet. Das Kastell wurde darauf von den Orsini dichtumschlossen und belagert.
Am 1. November 1503 wurde der Kardinal Giuliano dellaRovere (geboren 1453) als Julius II. zum Papst ausgerufen, von
*) Die Zeitgenossen Pius’ DGL stimmen in dem höchsten Lobe über ihn zu-sammen, indem sie seinen würdigen Lebenswandel, seine hohe Bildung und seineüberragende Klugheit rühmen, vor allem aber die Reinheit seines Charakters unddaneben seinen Kunstsinn und seine edle Freigebigkeit. Berühmt war sein Ver-hältnis zu Michelangelo und zu Pinturicchio, denen er bedeutende Aufträge (1502)für den Altar im Dom zu Siena und für die Dombibliothek in Siena erteilte.— Die ihm angedichtete Kinderschar (Gregorovius, Lucrezia S. 270) hat Pastor,Geschichte der Stadt Rom IH 3 S. 67, 1926) ins Reich der Erfindung verwiesen.