Von 1492 bis 1513
1241
Die Persönlichkeit Julius’ II. ist im Äußeren durch RafaelsBildnisse, in Lebensweise und Charakterbildung, sowie in seinenUmgangsformen durch zahlreiche zeitgenössische Schilderungengenau überliefert.
Zusammenfassend wird berichtet:
Giuliano war schon als Kardinal durch Tatkraft, rauhe,stolze Würde, Reichtum und Verstand ausgezeichnet, wohl-unterrichtet, Freund der Gelehrten und Künstler, sparsamerHauswirt, großmütig gegen Geringere, gerecht gegen jeder-mann, ungebeugt im Unglück, von unerschütterlich festem Cha-rakter; oft mehr Kriegsheld als Kirchenfürst, eine edle Seelevoll hoher und für ganz Italien dringender Pläne, die seine rast-lose Ungeduld nur zu rasch und gewaltsam verwirklichenwollte.
III.
Julius II. litt nach seiner Thronbesteigung Cesare Borgia nicht nur in Rom , sondern gewährte ihm sogar Wohnung imVatikan , im Appartamento Borgia. Der Beweggrund hierfürwar die Macht, welche Cesare in der Romagna noch besaß undwelche Julius als Bollwerk gegen das bereits in die Romagna eindringende Venedig benutzen wollte.
In seiner Verlegenheit wollte er Cesar nach der Romagna senden und dort bis auf weiteres als Vikar belassen.
Am 19. November 1503 ließ der Papst Cesar mit einerSchar Söldner nach Ostia abgehen, wo zwei ihm gehörige Fahr-zeuge unter Mottino lagen, und von wo er sich nach Livorno einschiffen sollte.
Indessen da Julius alsbald begründeten Verdacht schöpfte,daß Cesare ihn verraten wolle, ließ er ihn in Ostia verhaftenund nach Rom zurückholen. Er zwang ihn dort zu einem Ver-trag (29. Januar 1504), nach welchem der Herzog innerhalb40 Tagen die wichtigsten Burgen (Bertinoro , Cesena, Forli) aus-liefern, bis dahin unter der Obhut des Kardinals Carvajal inOstia bleiben, dann sich hinwegbegeben solle, wohin er wolle.
Neomario, Geschichte der Stadt Rom II.
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